Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 405 
sollte ihn beschützen; schon rüstete man zum Auszug. Nach den 
Ostertagen des Jahres 1147 brachen die Deutschen von Regens— 
burg donauabwärts auf; ihnen folgten zu Pfingsten von Metz 
aus die Franzosen und die in Krieges- und Friedenskultur 
vielfach französisch gewöhnten Lothringer. Schar um Schar 
wälzte sich so dem byzantinischen Osten zu, Ritter und 
Fußknechte, ein endloser Troß von Dienern und Weibern, 
Weiber selbst als Kriegerinnen rittlings zu Roß, und neben 
den Megären des Kampfes die lebenslustigen Gemahlinnen 
der französischen Großen, allen vorweg die schöne, sittenlose 
Königin Eleonore von Frankreich. 
Sie alle, an Kriegern wohl mindestens anderthalbhundert— 
tausend, begrüßten nach mäßigen Mühen im Herbst 1147 die 
Fluten des Bosporus. Kaiser Emanuel von Byzanz, ein kluger, 
gesetzter Mann, hatte dem Nahen der Völkerwelle nicht ohne 
Besorgnis entgegengesehen; er wußte wohl, daß den Franzosen 
der Gedanke eines Zuges gegen Byzanz statt gegen Edessa nicht 
völlig fern lag. So suchte er die Kreuzfahrer möglichst rasch 
über den Bosporus zu setzen, auch die Deutschen, obwohl er 
mit König Konrad verschwägert war. 
Bereits Oktober 1147 befanden sich die Deutschen, noch 
getrennt von den Franzosen, in Nicäa. Von hier aus führten 
verschiedene Wege nach Syrien, der längste und für die Ver— 
pflegung sicherste die Küste entlang, der kürzeste, aber beschwer— 
lichste durch die felsstarrenden Hochebenen des Landes, durch 
Unfruchtbarkeit und Entbehrung über Doryläum nach Iconium. 
König Konrad sandte das niedere Fußvolk unter Otto von 
Freising und dem Grafen Bernhard von Lavantthal längs der 
Küste; er selbst mit dem Kern des Heeres brach am 15. Oktober 
nach Iconium auf. 
Furchtbar war das Geschick des Hauptheeres. Unter end⸗ 
losen Beschwerden zog man vorwärts, bis man am 26. Oktober 
die Unmöglichkeit einsah, das Ziel zu erreichen. Die Gespenster 
des Hungers umdrohten das Heer, die Pferde fielen, die Ritter 
waren zum unbehilflichen Fußkampf verurteilt. Und schon 
schwärmten leicht berittene Pfeilschützen des Sultans von
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.