108 Siebentes Buch. Drittes Kapitel.
Platz des deutschen Königs in Deutschland: hier hatte er seine
Stellung offen zu halten, um je nach Umständen den hierar—
chischen Selbständigkeitsgelüsten der deutschen Bischöfe entgegen—
zutreten.
Jetzt, nach völligem Scheitern des Kreuzzugs, trugen die
Dinge wieder ein andres Antlitz. Wie hatte doch der heilige
Bernhard die Völker des Abendlandes zur heiligen Fahrt gemahnt,
mit welchen Weissagungen unerhörter Erfolge hatte er ihre
Einbildungskraft gekitzelt: und nun dies Ende! Niemals haben
er und seine Partei sich von den Schlägen dieses Umschwungs
erholt; die Zeit der politischen Bedeutung des Reformgedankens
war vorüber.
Diese Lage mußte ohne weiteres dem Papsttum zu gute
kommen. Damit traten denn die italienischen Fragen wieder
in den Vordergrund, und namentlich König Konrad hatte nach
seiner Heimkehr wiederum da anzuknüpfen, wo er bei seinem
Ausscheiden aus der europäischen Welt die politische Kon—
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griffes in Italien. Aus dem Kreuzzuge kam er thatenlustig
zurück. Von seinen kirchlichen Ratgebern suchte er sich mehr
und mehr zu befreien.
Aber wie sehr hatten sich die Umstände zu seinen Ungunsten
verändert!
Seit dem Friedensschlusse des Jahres 11391 zwischen Roger
und Innocenz II. beherrschte Roger als ein erster moderner
König der Monarchia Sicula? ganz Unteritalien, beherrschte
er auch den Papst. Es waren für das Reich unerträgliche
Zustände: schon 1140 hatte darum Konrad Roger zu demütigen
getrachtet: er hatte zu diesem Zwecke bereits 1142 Anknüpfungen
gesucht bei Byzanz und dem durch sizilianische Piraterie schwer
geschädigten Venedig: und die Päpste hatten ihn zu diesem
Thun um so mehr ermutigt, als sich während der Regierungs—
zeit des Papstes Lucius II. (gestorben 15. Februar 1145) zu
S. oben S. 398.
2 Jastrow-Winter, Deutsche Gesch. unter d. Hohenstaufen J (1897)
S. 800 ff.