Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

22 Fünftes Buch. Erstes Kapitel. 
äußersten Südwesten, gegen die spanischen Sarazenen, hat Karl 
im Zusammenhang mit seiner Universalpolitik wenig erfolg⸗ 
reiche Kriege geführt. Im Osten dagegen schien die Eroberung 
Sachsens nicht mehr zu umgehen, nachdem schon die frühesten 
Karlinge den Schwerpunkt des Reiches nach Austrasien verlegt 
hatten; gegen Baiern lagen wohlbegründete Beschwerden vor, 
die zu weiteren Kämpfen von der Donau bis zur Adria führen 
mußten; im Südwesten, jenseits der Alpen, ward Italien er—⸗ 
obert; das führte dann zur Erneuerung der Kaiserwürde und 
zur Auseinandersetzung mit dem Imperium des Ostens. 
Es sind gewaltige Aufgaben, die Karl sämtlich gelöst 
hat; waren sie, soweit sie deutsche Verhältnisse betrafen, längst 
gestellt, so bietet ihre italienische und universale Seite um so 
mehr des Neuen: auf diesem Gebiete vor allem ist Karl original, 
— D 
Politik, der Bildung und Gesittung. 
Die Sachsen hatten es den Frankenherrschern eigentlich 
schon seit Ende des 7. Jahrhunderts nahe gelegt, ihr Land zu 
erobern: seitdem rückten sie von Westfalen her immer mehr nach 
Westen vor, nahmen das Land zwischen Ruhr und Lippe ein, 
plünderten am Niederrhein, und drangen gelegentlich bis tief 
in die ribuarisch-fränkischen Gebiete. 
Die älteren Karlinge einschließlich Pippins hatten sich dem 
ziemlich erfolglos entgegengestellt; auch die Anfänge der christ— 
lichen Mission, wie sie vom heiligen Swibert, von den heiligen 
Ewalden, schließlich wohl von Mainz her unter Leitung Bonifazens 
ausgingen, waren ohne Ergebnis für die Befriedung des Stammes 
geblieben. 
So drängte sich die sächsische Frage Karl dem Großen auf, 
sobald er Alleinherrscher geworden; suchte er sich anfangs von 
ihr im Sinne seines Vaters durch bloße Plünderungs- und 
Vergeltungszüge zu befreien, so begriff er doch bald ihre tiefere 
Bedeutung; die Angliederung des Stammes an das oeecidentale 
Weltreich, vor allem die Verbreitung christlichen Glaubens bis 
zur Elbe wurden ihm Hauptzweck: er hat, um mit einem späte⸗
	        
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