Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entstehung, Blüte und Verfall des Karlingischen Weltreichs. 29 
fränkischen Reiche. Darüber hinaus wurde zur Abrundung des 
Erworbenen Böhmen und Mähren in lose Abhängigkeit gebracht 
und Dalmatien unterworfen. 
Es waren Erfolge, die, entgegen den bisherigen Fort— 
schritten der Slawen, nunmehr der Ausdehnung deutschen Wesens 
zu gute kamen. In den neuen Marken des Reiches wurden 
ungeheure Strecken von Wüste und Wald an die kirchlichen In— 
stitute Baierns, an die Bistümer Salzburg, Passau, Regens— 
hurg, Freising, wie an hervorragende Abteien verliehen: überall 
entstanden deutsche Grundherrschaften, wenn sie auch mit Arbeits— 
kräften teilweis fremder Zunge betrieben wurden. Daneben 
jogen auch einfache Freie in das neue Land, wenn auch längst 
nicht so zahlreich, wie etwa später im Norden über die Saale 
und Elbe; es ist ein dauernder Unterschied unserer nordöstlichen 
und südöstlichen Kolonisation, daß im Süden nur die hervor— 
ragende Klasse, im Norden große Teile der Gesamtbevölkerung 
sich deutschen Ursprungs rühmen konnten. Doch wurde im Süden 
der spärliche deutsche Einfluß der Einwanderung wenigstens 
einigermaßen verstärkt durch die deutsch charakterisierte Ein— 
wirkung der Mission, wie sie namentlich von Passau und Salz⸗ 
burg ausging. Im ganzen war jedenfalls die Straße deutschen 
Lebens zur mittleren Donau hin nunmehr eröffnet: und zu 
jener Zeit, in der im Norden deutsche Ansiedler erst in den 
Anfängen kräftig über Elbe und Oder vordrangen, in den seligen 
Tagen der Staufer, erklangen aus der neuen Ostmark des 
Südens bereits die süßen Lieder Reinmars des Alten und Herrn 
Walthers von der Vogelweide weltkluge Sprüche. 
So hat Karl nicht bloß die deutschen Stämme gemein— 
samem politischen Leben unterworfen in der herben Schule des 
fränkischen Universalreiches, er hat ihnen auch wenigstens an 
der Donau die Wege jener großen Kolonisation des Ostens ge⸗ 
wiesen, in deren Bethätigung zum erstenmal den Sonder— 
bildungen der Stämme eine allumfassende nationale Aufgabe 
zgestellt ward, in deren Verlauf sich ihr Blut und ihre Sitte 
zum erstenmal zu unteilbar nationaler Auffassung gemischt und 
geklärt hat.
	        
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