Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entstehung, Blüte und Verfall des Karlingischen Weltreichs. 31 
da zeigte sich, daß Karl von ihrem, gegenüber der Schenkung 
des Jahres 754 so gewaltig vergrößerten Inhalte nichts wissen 
wollte; ein erbitterter Briefwechsel zwischen ihm und dem Papst 
entspann sich und führte zu immer schärferen Mißverständnissen. 
Dem machte Karl im Jahre 781 ein Ende, indem er, persönlich 
in Rom anwesend, die Stellung des Papsttums in Italien und 
gegenüber der fränkischen Schutzmacht in Rom endgültig regelte. 
Die Kurie mußte auf die Stellung einer großen mittelitalischen 
Macht verzichten: nur ihre Domänen allenthalben, sowie der 
staatsrechtliche Besitz des römischen Dukats und des Exarchats 
hon Ravenna wurden ihr belassen; aus der Schutzhoheit in 
Rom aber leitete Karl das Recht bestimmter Einflüsse auf Papst⸗ 
wahl und Papstregierung ab. 
So zerflossen die papalen Träume universaler politischer 
Macht, die um diese Zeit sich immer dichter um eine Sage ge— 
ballt hatten, der zufolge Kaiser Konstantin bei der Verlegung 
der kaiserlichen Residenz nach Byzanz das westliche Weltreich 
dem römischen Stuhle geschenkt haben sollte: der Papst blieb 
ein kleiner Territorialfürst unter fränkischer Hoheit. Doch 
herber noch waren die Enttäuschungen, die Papst Hadrian 
in seiner Stellung zur fränkischen Reichskirche erleben mußte. 
Schon Pippin hatte hier die päpstliche Einwirkung möglichst 
auszuschließen gesucht: es war der Weg, den Karl konsequent 
weiter verfolgte bis zur persönlichen Anmaßung geistlicher All— 
gewalt. Nicht bloß daß die Kirchen des Frankenreiches sich 
völlig selbständig verwalteten, daß die Bischöfe immer mehr in 
das Getriebe der eigentlichen Staatsverwaltung hineingezogen 
wurden, daß die Missionen in Sachsen und im bairischen Süd— 
osten, auf dem Rom einst so ergebenen deutschen Boden, aus 
rein fränkisch-staatlicher Machtvollkommenheit organisiert wurden: 
selbst dogmatische Streitigkeiten zog der Frankenkönig vor sein 
Forum. In Sachen des ketzerischen spanischen Adoptianismus 
beschloß die Synode zu Regensburg vom Jahre 792 unter dem 
Vorsitz Karls ein Verdammungsurteil, ehe Rom gesprochen hatte; 
und noch schlimmere Erfahrungen machte der Papst in Sachen 
des byzantinischen Bilderstreites. In Ostrom hatte die bilder—
	        
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