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Fünftes Buch. Erstes Lapitel.
freundliche Kaiserin Irene im Herbste 787 eine Synode nach
Nicäa berufen, welche die Wiederherstellung der Bilderver—
ehrung beschloß; der Papst war auf der Synode vertreten ge—
wesen und hatte ihre Akten gebilligt und unterschrieben. Das
war ein Votum ganz entgegen dem Sinne Karls. Wiederholt
hatte ihn Byzanz in seinen Bestrebungen auf Befriedung und Er—
weiterung seines italienischen Königreiches gehindert: er war
nicht gesonnen, dem feindlichen Reiche durch seinen geistlichen
Primas zu Rom Hilfe gedeihen zu lassen. Er gab Befehl zur
Ausarbeitung einer weitläufigen Widerlegung der nicänischen
Beschlüsse, er ließ sie auf einer Synode zu Frankfurt im Jahre
794 unter Verdammung der byzantinisch-päpstlichen Lehre feier⸗
lich annehmen, und er übermittelte einen Auszug aus ihr dem
Papste in Form eines Reichsgesetzes zur Nachachtung. Gleich—
zeitig leitete er aus seiner Schutzhoheit über Rom immer neue
Rechte ab; er tadelte den Papst wegen Simonie, er trat geradezu
als geistlicher Vormund der Kurie auf.
Hadrian befand sich in der peinlichsten Lage!. Obgleich
klug und thatkräftig: was konnte er dem allmächtigen Franken⸗
könig entgegensetzen? Er suchte Zeit zu gewinnen, er schrieb
Karl Briefe, aus denen schon alle staatskirchenrechtlichen Gegen⸗
sätze der späteren Kampfeszeit zwischen Kaiser und Papst schrill
entgegen tönen, er betete für die Sinneswandlung des Königs.
So ist er machtlos, obwohl von Karl persönlich verehrt, im
Jahre 795 gestorben. Sein Nachfolger aber, Leo III. besaß
bei weitem nicht gleich treffliche Eigenschaften: ein kleinlicher,
habsüchtiger, unlauterer Geist ward er von den Römern im Jahre
799 vertrieben; nicht einmal die äußeren Formen der Selbstän—
digkeit konnte er aufrecht erhalten, er floh an den Hof Karls
des Großen.
So war die Herrschaft des Frankenkönigs gegen die Neige
des Jahrhunderts zur universalen Macht erstarkt; auf der
Grundlage der Personalunion mit Italien verfügte dieser über
EGs ist bezeichnend, daß das Gerücht entstehen konnte, der alte König
Offa von Mercia habe Karl dem Großen geraten, er solle Hadrian ab—
setzen und einen Franken zum Papst machen: Cod. Carol. 96 784 791.