Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entstehung, Blüte und Verfall des Karlingischen Weltreichs. 48 
drohte mit Krieg, und im Vertrage zu Mersen vom Jahre 870 
kam es zur Teilung des Landes. 
Aber diese Teilung zwischen Ost- und Westfranken war 
noch nicht endgültig. Als Ludwig der Deutsche im Jahre 876 
verschied und das Ostfrankenreich zerteilt unter seine drei Söhne 
Karlmann, den jüngeren Ludwig und Karl zurückließ, da glaubte 
Karl der Kahle, nun der letzte überlebende Sohn des frommen 
Kaisers Ludwig, den Augenblick gekommen, um ganz Lothringen 
dem Westreich einzuverleiben. Aber er fand in dem jüngeren 
Ludwig einen unerwartet kräftigen Gegner. Selbst feig und 
längeren Widerstandes unfähig, ward er bei Andernach ge— 
schlagen und entfloh in die westliche Heimat. Bald darauf, 
im Jahre 877, ist er gestorben. Nun folgten Wirren in West⸗ 
franken, während deren der jüngere Ludwig von einer Partei 
der Großen als westfränkischer König ins Land gerufen ward. 
Und konnte er auch die Kaiserkrone eines neuen Gesamtreiches 
nicht erringen, so erwarb er doch gleichsam als Entschädigung 
dafür im Jahre 880 auch den im Mersener Vertrage noch west⸗ 
fränkisch gebliebenen Teil Lothringens. 
Es war eine Zeit rein dynastischer Kämpfe. Die für die 
deutsche Geschichte maßgebende Begebenheit ist der Vertrag vom 
Jahre 880. Von nun ab gehörte zum ostfränkisch-deutschen 
Reiche von Nordburgund ab alles Land östlich der Maas, und 
westlich derselben in ihrem Oberlauf noch ein Streifen von 
mehreren Meilen Breite, sowie westlich von ihrem Unterlauf 
alles Land bis zur Schelde. Es ist die Westgrenze des deutschen 
Reiches im Mittelalter, sie umfaßt noch das französische Verdun, 
sie begreift ganz das reiche Brabant, ja noch Teile des nord— 
östlichen Flanderns, sie verschiebt gegenüber der früheren Ab— 
markung die strategische Stellung des Reichs gegen Frankreich 
vom Rhein zur Maas: Jahrhunderte hindurch hat sie Deutsch— 
land militärisch gesichert. 
Freilich war es selbstverständlich, daß die westfränkischen 
Herrscher Lothringen noch lange zu erobern trachten würden; 
erst König Heinrich J. hat das Land dem Reiche endgültig ge— 
wonnen“!. Mit diesem langen Zwist aber war der alte Kar— 
1S. unten: 6. Buch, 1. Kapitel, J.
	        
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