Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Die Karlingische Renaissance. 
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Werken waren auch Handschriften andern Inhaltes im Reisegepäck 
der päpstlichen Sendboten über die Alpen geführt worden. Wie 
anders aber konnte jetzt Karl, als Herr Italiens und Schutz— 
herr des Papstes, die Überleitung klassischer Studien vermitteln. 
Als er heimkehrte, da befanden sich in seinem Gefolge 
vielleicht zwei der bedeutendsten Geister des damaligen Italiens, 
Petrus von Pisa, der Grammatiker, aus altitalischer Familie, 
und der heitergesinnte Langobarde Paulus Diakonus, aus vor—⸗ 
nehmstem deutschen Geschlecht, wohl bewandert in der Sagen⸗ 
welt seines Stammes. Und mit ihnen begleitete Alcuin den 
König heimwärts, neben den Gelehrten italischen und lango— 
— D 
sächsischen Renaissance; Karl hatte ihn in Parma beredet, das 
Lehramt der Schule von York mit einem Aufenthalt am 
fränkischen Hofe zu vertauschen. 
Es war der Anfang eines reichen wissenschaftlichen Lebens 
in der Umgebung des Königs; ein neues Dasein trat neben die 
fränkische Lebensweise des Hofes und wurde dieser schließlich 
nicht nur ebenbürtig, sondern fast überlegen: konnte man doch 
in späteren Tagen von einer Akademie am Hofe Karls sprechen. 
Deun mit den Jahren wuchs neben der Tiefe der Auffassung 
auch die Zahl der hervorragenden Personen. Zu den Berühmt— 
— 
Einhard und Angilbert, und bisher noch nicht vertretene Gegen⸗ 
den sandten neue Geister, so das spanische Gotien den ästhetisch 
hochbegabten Bischof Theodulf von Orleans, die ewig grüne 
Insel den Hibernicus Cxul. 
Einstweilen aber galt es mehr zu lernen, als zu reprodu⸗ 
zieren oder gar selbstthätig zu schaffen. Bevor ein akademisches 
Hofleben entwickelt werden konnte, bedurfte es der Schulung, 
des Unterrichts; und niemand hat sich ihnen mit dauernderer 
Beharrlichkeit unterzogen, als Karl selber. 
In England hatte Aldhelm von Malmesbury, angeblich 
nach dem Vorbild Augustins und Isidors von Sevilla, für 
den Unterricht hochstehender Erwachsener wie Knaben eine 
besondere Methode entwickelt; Alcuin hat sie mit Glück 
auf fränkische Verhältnisse übertragen, und wir können uns 
aus den Lehrbüchern, die er verfaßt hat, noch heute
	        
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