Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Die Karlingische Renaissance. 
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eingetreten war und schon zu Lebzeiten Karls des Großen vor⸗ 
bereitet erschien. 
Eine Dichtung, die sich fremder, lateinischer Zunge be— 
diente, vermochte von vornherein nicht ohne umfassende gelehrte, 
namentlich grammatische Studien zu bestehen; nicht umsonst 
verleibte diese Zeit das Wort dietare für dichten unserm Sprach— 
schatze ein. Wie sollten aber gelehrte Studien in Karlingischer 
Zeit sich länger erhalten, ja auch nur eindringlich aufgenommen 
werden, ohne daß der Theologie der größte Nutzen zufiel. Zwar 
blühte unter dem Hauche der Frührenaissance auch die Geschicht— 
schreibung empor, neben die glänzende Folge der Reichsannalen 
trat Einhards Lebensbeschreibung Karls des Großen, und auch 
die didaktische Prosa war in Smaragdus' Diadema, einem Er— 
bauungsbuche für Mönche, und desselben Verfassers Via regia, 
einem geistlichen Fürstenspiegel, gut vertreten. Im ganzen aber 
zog bald die Theologie aus der neuen Bewegung die meiste 
Anregung; wurden doch vor allem Bischöfe und Äbte von Kaiser 
Karl für ihre Verbreitung in Anspruch genommen, und war doch 
ihr größter Träger am Hofe, Alcuin, nicht weniger Theolog 
als Grammatiker: er zuerst schuf in seinen drei Büchern De fide 
trinitatis seit langer Zeit wieder ein System der Dogmatik. 
Die Folge aber war selbstverständlich: die litterarische 
Bewegung, aus der Schulüberlieferung der Angelsachsen und 
Italiens hervorgegangen, anfangs noch frei gepflegt am welt— 
lichen Hofe Karls, weiter getragen von dem Nachahmunsseifer 
des hohen Laienadels, ward ausschließlich kirchlich. 
Der Umschwung fällt in die Zeit des frommen Kaisers 
Ludwig. Zwar suchte die Kaiserin Judith am alten Wesen 
der litterarischen Renaissance festzuhalten, und ihre Neigungen 
haben sich teilweis auf ihren zärtlich geliebten Sohn, Karl den 
Kahlen, vererbt. Indes der politische Sieg der Kirche in den 
zwanziger Jahren des 9. Jahrhunderts wirkte doch entscheidend auch 
auf die allgemeine geistige Strömung; seitdem trat die theologische 
Gelehrsamkeit durchaus in den Vordergrund. Hieronymus und 
vor allem Gregor der Große, in seinen Erbauunggsschriften 
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