Die Karlingische Renaissance.
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übrig blieb allein der harte Bodensatz höherer Bildungsstoffe
der fremden Kultur; und er konnte nur wissenschaftlich be—
wältigt und angeeignet werden. So geschah es im 9., im 16.
pis 17. und im 19. Jahrhundert.
V
Machen wir von den Ergebnissen des vorigen Abschnittes
Anwendung auf das Gebiet der bildenden Künste, so liegt
auf der Hand, daß diese im Beginn der Karlingischen
Renaissance nicht minder gewaltige Anregungen empfangen
konnten, als die Dichtung.
Aber freilich, die germanischen Stämme vermochten in
dieser Richtung dem Einfluß antiken Geistes nur sehr spärliche
nationale Errungenschaften entgegenzuhalten; wir erinnern uns!,
daß unsre einheimische Kunst noch nicht über das Stadium des
Drnamentalen in Malerei und Bildnerei hinaus gediehen war.
Für die Baukunst aber ist zu bedenken, daß sie, läßt man die
Entwicklung des mehr oder minder ornamentalen Beiwerkes
wie des von den jeweiligen Kulturbedürfnissen abhängigen
Raumverständnisses beiseite, im wesentlichen nur die Ent—
wicklungsgeschichte eines bestimmten tektonischen Gedankens ver⸗
körpert, in ihrem Kerne also nicht so sehr die ästhetische, als
die logische Entwicklung mathematisch-physikalischer Zusammen⸗
— F sich für
die psychologische Charakteristik eines bestimmten Kulturzeitalters
aicht von maßgebender Bedeutung sein.
Zudem kommt es in tektonischer Hinsicht unter dem Ein⸗
flusse der Karlingischen Renaissance auch keineswegs zu ab⸗
geklärten Bildungen. Nationaler Holzbau und vom Herzen des
Imperiums her eingeführter Steinbau liegen noch gegenseitig
im Kampfe, und über sie her ergießt sich, gemäß den persön—
lichen Neigungen Karls des Großen, der Einfluß der ravenna⸗—
tischen Architektur des 4. bis 6. Jahrhunderts.
Harmonisch, als Ausfluß eines lebendigen Stils gestalteten
1 S. Bd. J, S. 388 ff.