122 Neuntes Buch. Erstes Kapitel.
in Magdeburg hat er, als es zu einer Doppelwahl gekommen
war, von sich aus den staatsmännisch begabten, ihm nahestehenden
Bischof Wichmann von Zeitz zum Erzbischof ernannt und trotz
aller Gegenäußerungen der Kurie aufrecht erhalten. Es war
ein außerordentlicher Erfolg: ehinc non solum in secularibus,
sed et in accclesiasticis negotiis disponendis auctoritas
principis plurimum crevit, sagt Otto von Freisingi. In der
That verfügte Friedrich jetzt neben den Laienfürsten fast völlig
sicher auch über die große Anzahl gemäßigterer Bischöfe, die,
wie Arnold II. von Köln oder Eberhard von Bamberg, ihrer
Bildung nach noch dem frommen Zeitalter Bernards von
Clairvaux entstammten; und darüber hinaus sah er unter Laien—
fürsten wie Klerikern schon die Anfänge einer jungen Partei
entstehen, die zu schrofferem Vorgehen gegen die Kurie anriet.
Unter diesen Umständen war es Friedrich gestattet, aus
anderem, als rein päpstlichem Gesichtswinkel die Lage Italiens
zu betrachten. Hier war noch immer Sizilien die weitaus be—
deutendste Macht; König Wilhelm II., seit 1154 der Nach—
folger des kühnen Roger, regierte in seinem Lande völlig selb⸗
tändig und bestimmte wiederholt im Bündnis mit dem römis chen
Senate das Schicksal des Papsttums. Es war ein für den
deutschen König unerträglicher Zustand selbst dann, wenn er
die Kaiserkrone nicht erstrebt hätte, und sie bot gemeinsame
Interessen für König und Papst zugleich. Am 28. März 1153
kam es daher in Konstanz zwischen der Kurie und Friedrich
zu einem Vertrage, wonach Friedrich versprach, dem Papst die
Stadt Rom wieder zu unterwerfen, das Patrimonium Petri zu
schützen und wider die Normannen und Byzantiner in Italien
zu ziehen, wogegen der Papst dem König die Kaiserkrone in
Aussicht stellte unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß
auch seitens der Kurie der Kampf gegen Normannen und
Griechen geführt werde.
Allein während Friedrich so den Blick zunächst auf Rom
Gesta IIi, 10.