Aufschwung des KÜönigtums unter den Staufern. 123
und Sizilien gerichtet hielt, trat ihm von Oberitalien her eine
weitere viel eigenartigere Entwickelung entgegen.
Die Lombardei mit ihren reichen Fruchtebenen, ihrem ver—
kehrsreichen Flußnetz, ihren Straßen, ihren Kanälen ist in
Italien von jeher der heißeste Herd sozialer Entwickelung ge⸗
wesen; so hatte sie schon Kaiser Konrad II. in der Valvassoren⸗
bewegung, Kaiser Heinrich IV. in den Aufständen der Pataria
kennen gelernt. Jetzt erwies sie sich als fruchtbares Centrum
der bürgerlichen, geldwirtschaftlichen Entwickelung. Schon längst
waren in ihren zahlreichen Großstädten die alten Stadtherren,
die Bischöfe, der Gewalt entkleidet worden; Gerichtsbarkeit und
Heeresgewalt, vor allem die Verkehrsregale des Marktes, des
Zolles, der Münze waren an die Bürger uübergegangen, eine
selbständige Obrigkeit hatte sich in den Konsuln gebildet.
Darüber hinaus hatten die Städte eine äußere territoriale Ge⸗
walt zu entwickeln begonnen, indem sie der weltlichen Herrschaft
in den Bischofssprengeln nachstrebten: das Land war im Be—⸗
griff, in eine Reihe städtischer Territorien zu zerfallen.
Die Folge war, daß die lombardische Lehensverfassung, auf
der die deutsche Herrschaft beruhte, zur Ruine ward. Der Adel
des flachen Landes zog in die Stadt oder fiel städtischen Inter⸗
essen anheim, die größeren Fürstentümer verschwanden bis auf
eines, das der Markgrafen von Montferrat; von den Rechten
des Königs sprach man nur noch im Sinne von Antiquitäten:
und in der That, welcher Kaiser seit Heinrich III. hatte sie
wirksam ausgeübt?
Damit nicht genug. In der städtischen Entwickelung war
schon eine zweite Stufe eingetreten. Die größten Stadtgemeinden,
Mailand, Venedig, Pavia, begnügten sich nicht mehr mit der
Eroberung des benachbarten platten Landes, sie suchten auch schon
die kleineren selbständigen Städte in ihren Bereich zu bringen;
die Abrundung Oberitaliens in eine geringe Anzahl von großen
Stadtstaaten erschien als das nächste Ziel der Entwickelung.
In diesem Augenblicke gedachten die kleinen Städte gegen⸗
über der Vergewaltigung durch die großen des fernen italischen
Königs. Bürger von Como und Lodi berichteten dem König