Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Neuntes Buch. Erstes Kapitel. 
zu Konstanz von dem Verfahren Mailands gegen sie und baten 
um Hilfe. So trat zu der römischen und sizilianischen Frage für 
Friedrich eine lombardische. War er, ein Sohn des noch wesent— 
lich naturalwirtschaftlichen Deutschlands, von vornherein im— 
stande, sie zu lösen, ja sie auch nur zu verstehen? 
Im Oktober 1154 sammelte Friedrich zu Augsburg ein 
Heer von etwa 1400 Rittern; mit ihm zog er zur lombardischen 
Heerschau bei Castelnuovo di Roncaglia; mit ihm wollte er 
Italien erobern. In Roncaglia klagten die Kleinstädte und 
die lombardischen Fürsten gegen das neue Wesen der Städte. 
Unbesehens stellte sich Friedrich auf ihre Seite, er erneuerte 
das Gesetz Lothars zur Aufrechterhaltung der lombardischen 
Lehnsverfassung, er ächtete Mailand. Er war dabei weit da— 
von entfernt, die Tiefe der Gegensätze zu erkennen, die sich vor 
ihm aufthaten. Aber auch die Lombardenstädte betrachteten 
die Maßregeln Friedrichs nicht als Ausfluß grundsätzlicher und 
geläuterter Stellungnahme; sie traten ihm nicht gemeinsam ent— 
zegen, sie ließen seine Krönung in Pavia zu und sahen es ruhig 
mit an, wie er sich rasch nach Süden, nach Rom zu durchwand. 
Rom gegenüber fand sich Friedrich besser zurecht. Papst war 
hier seit dem 8. Dezember 1154 Hadrian IV., ein geschäftskluger 
Engländer, der den römisch-republikanischen Senat Arnolds 
von Brescia alsbald mit dem geistlichen Mittel des Interdiktes 
zeängstigt hatte, so daß Arnold eines Teils seines Anhanges 
verlustig gegangen und flüchtig geworden war. Um so weniger 
fonnte Friedrich dem Gedanken zugänglich sein, mit dem Senate 
und Volke von Rom zu paktieren, die sich ihm in bettelhafter 
Prahlerei zur Krönung erboten hatten; er opferte die römische 
Republik wie Arnold dem Einvernehmen init Hadrian und 
empfing am 18. Juni 1155 von diesem die Krone. 
Als dann bald nach der Krönung ein Aufstand in Rom 
losbrach, verließ der Kaiser mit dem Papste die Stadt, begab 
sich nach den kühleren Bergen Albaniens und versuchte, nun— 
mehr die normannische Frage in Angriff zu nehmen. Das war 
bei den geringen Heereskräften des Kaisers ein tollkühnes Unter⸗ 
nehmen; von vornherein stieß es im Heere auf Widerspruch.
	        
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