Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 127 
Landes, das seinen Mittelpunkt wesentlich in der erblich herr⸗ 
schenden Dynastie finden wird: von nun ab beginnt das Reich 
aicht mehr in Stammesherzogtümer und Grafschaften, sondern 
in landesherrliche Territorien zu zerfallen. 
Die natürliche Folge dieser Veränderung mußte sein, daß 
der König noch mehr als bisher nur als erster aller Fürsten 
erschien; der Amtsgedanke der alten Herzogtümer und Graf— 
schaften war fast in seinen letzten Spuren erloschen. Unter 
solchen Umständen aber bedurfte der König außer seiner könig⸗ 
lichen Gewalt noch der Stütze der größten Territorialgewalt; 
er mußte seine fürstliche Macht zur thatsächlich ersten im Reiche 
zu entwickeln suchen. 
Friedrich hat diesen, damals erst locker angedeuteten Zu⸗ 
— — schüchterne Be⸗ 
gründer der Hausmachtspolitik der späteren deutschen Könige. 
Zu Pfingsten des Jahres 1156 heiratete er Beatrir, die Erb⸗ 
tochter von Hochburgund: das hieß die staufische Macht von 
den schwäbischen Bergen bis zur Isere vorschieben, im Gegensatz 
zum zähringischen Hause, das hier zu herrschen gedachte. Bald 
darauf verlieh er seinem Halbbruder Konrad, dem das salische 
Gut um Worms erblich zugefallen war, die rheinische Pfalz— 
grafschaft; sie erwuchs mit dem salischen Gute zu einem un⸗ 
rennbaren Besitz, als dessen Mittelpunkt Burg und Stadt 
Heidelberg begründet ward; es sind die Anfänge des späteren 
Kurfürstentums der Pfalz. Und während durch die Pfalzgraf— 
schaft Konrads das Nordende des Oberrheinthals staufischem 
Einfluß unterworfen ward, nahm der Kaiser das zwischen Bur⸗ 
gund und Pfalzgrafschaft liegende südliche Gebiet in eigne 
Hand. Hier kaufte er Burg auf Burg, hier gewann er Vogtei 
auf Vogtei, bis er seine Macht von den schwäbischen Bergen 
bis zu den Vogesen und zu dem reichen Burgensystem des 
pfälzischen Trifels erstreckt hatte. In mannigfachstem Erwerb 
der verschiedensten Rechte ward so der Oberrhein allmählich 
staufisch; er hat dann neben Schwaben und teilweise Hoch⸗ 
burgund den Schauplatz gebildet, auf dem sich die spätere 
Kaisergeschichte vornehmlich abspielt.
	        
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