Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 129 
land. Die Appellationen nach Rom nahmen in einer Weise zu, 
die dem hohen Klerus mißfiel und den Kaiser aufmerksam 
werden ließ, die Legaten expreßten immer dringlicher päpstliche 
Steuern. Und schon erweiterte man die Kluft durch gereizte 
theoretische Auseinandersetzungen über das Verhältnis zwischen 
Kaisertum und Papsttum überhaupt. Seit den Zugeständnissen 
Kaiser Lothars gefiel sich die Kurie darin, das Kaisertum, 
ja das deutsche Königtum mehr oder minder als ein Geschenk 
ihrer Gnade zu betrachten. Schon im Jahre 11532 hatte sich 
Papst Eugen III. in einem Schreiben an die deutschen 
Bischöfe dahin geäußert, Friedrich sei von Gott in die Hoheit 
des Reiches berufen worden pro servanda, libertate‘ ecclesiao“; 
jetzt vernahm man am deutschen Hofe von römischen Rußerungen, 
wonach die deutschen Herrscher die Krone Italiens und die 
Kaiserkrone nur aus gnädiger Schenkgebung der Pädste 
hesitzen sollten?. 
Bei solchen gegenseitigen Reizungen bedurfte es nur eines 
an sich geringfügigen Anlasses, um die vorhandene Mißstimmung 
zu schärfstem Gegensatz zu entwickeln. 
Im Oktober 1157 hielt Kaiser Friedrich einen glänzenden 
Fürstentag zu Besancon ab. Auf ihm erschien unter anderem 
zuch eine päpstliche Gesandtschaft unter der Führung der Cardi— 
näle Bernhard und Roland von Siena. Sie hatte den Auftrag, 
den Kaiser, den der Papst schon wiederholt mit kleinlichen An— 
fragen belästigt hatte, wegen der Schicksale des Erzbischofs 
Eskill von Lund zu befragen; Eskill war in Burgund überfallen 
worden, ohne daß der Kaiser, dem der nordische Erzbischof ver⸗ 
haßt war, deshalb viel Aufhebens gemacht hatte. Sie über⸗ 
brachte zur Sache einen gereizt gehaltenen Brief des Papstes, 
der nebenher einige Floskeln über die Verdienste des heiligen 
Stuhles um Friedrich enthielt; es war da von der Übertragung 
(collatio) der Kaiserkrone die Rede, und der Papst bemerkte, 
er würde sich trotz Friedrichs Haltung freuen, wenn der Kaiser 
Wibaldi epp. 402; ed. Jaffé S. 537. 
» Rahewin 8, 10 (ed. alt. in 80 S. 141) 
damprecht, Deutsche Geschichte III.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.