Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Neuntes Buch. Erstes Kapitel. 
sogar noch größere Beneficien aus seiner Hand empfangen hätte, 
als das geschehen. 
Reinald, dem es zufiel, das Jateinische Original dieses 
Briefes vor Kaiser und Fürsten ins Deutsche zu übersetzen, 
übertrug das Wort benéficium, das Wohlthat und Lehen be— 
deuten kann, mit Lehen, er verdeutschte conferre (collatio) mit 
„schenken“, während es allenfalls auch auf die rein mechanische 
Aufsetzung der Krone bezogen werden kann: so erschien der 
Kaiser als Lehnsmann und Beschenkter der Kurie: offen war 
den päpstlichen Zweideutigkeiten ein Ende gemacht. Die Er⸗ 
regung unter den Fürsten, die den erstaunlichen Satz vernahmen, war 
unverkennbar; gesteigert ward sie noch, als der Kardinal Roland 
die Frage hinwarf, von wem sonst denn der Kaiser das Reich 
habe, es sei denn vom Papste? Da drang Otto von Wittels 
bach gezückten Schwertes auf den Legaten ein, und nur der 
Kaiser verhinderte, daß er zuschlug. Die Legation aber ward ohne 
Antwort entlassen, und ein kaiserliches Rundschreiben ergieng, 
das in meisterhafter Sprache ausführte: von Gott allein habe 
der Kaiser durch Wahl der Fürsten die Reichsgewalt. empfangen, 
er sei der Gesalbte des Herrn, wer die kaiserliche Krone als 
päpstliches Lehen ausgebe, sei als ein Lugner und Feind Christi 
zu achten. 
Natürlich führte der offene Bruch mit dem Papste vor allem 
dem deutschen Episkopat erhöhte Bedeutung zu, denn Kaiser 
und Papst bemühten sich in gleich eifriger Weise um seine Ge— 
aeigtheit. Friedrich suchte die Pfaffenfürsten im Frühjahr 1158 
zu Lautern in verbindlichster Form zu gewinnen, der Papst 
schrieb ihnen einen groben Brief über die Vorgänge von 
Besancon und ermahnte sie, auf die Bestrafung Ottos von 
Wittelsbach und Reinalds von Dassel zu dringen, nachdem er 
den Kanzler schon früher als Unkraut säenden Satanas be— 
zeichnet hatte. 
Die Bischöfe aber traten auf Seite des Kaisers. Sie 
aahmen Reinald in Schutz, sie betonten die sachlichen Differenzen 
der päpstlichen und kaiserlichen Politik, sie rieten dem Papste 
zur Nachgiebigkeit, zur Versöhnung. Reinald dachte vermutlich
	        
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