Full text : Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ausschwung des Königtums unter den Staufern. 147

Verhandlungen zu Ferrara, seine bisher vereinten Gegner bis
zu gegenseitigem Mißtrauen zu trennen.
Und nun galt es die Herstellung des endgültigen Friedens.
Hierzu versammelte sich im Sommer 1177 zu Venedig eine
Fülle der bedeutendsten Männer der Zeit; von allen Seiten
kamen Gesandtschaften, Alexander III. selbst erschien in der
Lagunenstadt, während der Kaiser in deren Nähe weilte. Gleich—
wohl schleppten die Verhandlungen langsam dahin; der Kaiser
erhob weit über den Vertrag von Anagni hinausgehende
Ansprüche und suchte inzwischen den isolierten Lombardenbund
zu zerbröckeln. Diese Politik zwang schließlich die Kurie zur
Ermäßigung mancher Forderungen und zur endgültigen
Trennung von den Verbündeten: nur ein sechsjähriger Waffen—
stillstend des Kaisers mit der Lombardei, ein fünfzehnjähriger
mit Sizilien kam zu stande.
Und diese Erfolge ermutigten den Kaiser, auch noch in der
endlos verfahrenen Frage nach dem Eigentum des mathildischen
Erbgutes vorwärts zu gehen. Er wünschte sich dessen Besitz jetzt
auf alle Fälle für fünfzehn Jahre verbürgt; er übertrug, um den
Papft einzuschüchtern, die Verwaltung der Rom benachbarten
tuscischen Mark an den kirchenfeindlichen Ministerialen Konrad
von Lützelhart; er näherte sich Venedig und rief dort eine volks⸗
tümliche Bewegung zu seinen Gunsten hervor; schon befürchtete
man am Ort des Kongresses das Schlimmste. Da haben die
deutschen Bischöfe durch ihr Zwischentreten die Sache des
Friedens gerettet; die bisherigen Abmachungen wurden ratifi—
ziert, die Frage des mathildischen Gutes der späteren Verhandlung
eines Schiedsgerichtes vorbehalten. Und nun nahte, am 283. Juli
1177, der Kaiser auf festlicher Galeere dem Platze des heiligen
Markus; an den Stufen der Markuskirche empfing ihn Alexander;
demütig warf sich der Kaiser vor ihm nieder und küßte seine Füße;
doch der Papst richtete den vom Banne Gelösten auf und gewährte
ihm Friedenskuß und apostolischen Segen. Es war eine Scene,
die sich in verwandter Weise bei der feierlichen Verkündigung des
Friedens am 1. August wiederholte; des Gepränges war kein
Ende; lang noch hallten die Tage von Venedig im Gedächtnis
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