Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 155
Aufs thatkräftigste trat der Kaiser allen diesen Gefahren
entgegen. Zunächst setzte er den Papst in Italien politisch matt;
er nahm das Patrimonium Petri in Beschlag, er schloß Urban
in Verona ein. Dann ging er kirchlich gegen die kurialen Be—
strebungen vor. Auf einem Reichstag zu Gelnhausen, Ende
November 1186, verdammten fast alle deutschen Bischöfe, mit
Ausnahme des Kölners und seiner Suffragane, einmütig die
päpstlichen Anmaßungen; Urban mußte die Worte hören: ea,
quae ad gravamen imperii facta dinoscuntur, .. permutari
faciatis!; es kam zu einem in dieser ruhigen Bestimmtheit fast
unerhörten Gegensatz der deutschen Kirche gegen das Papsttum.
Darauf wandte sich Friedrich gegen die nordwestliche Koa⸗
lition. Er verband sich mit König Philipp II. von Frankreich,
der eben damals im Begriff war, gegen England auszuziehen;
ein großer Schlag schien für das Jahr 1187 bevorzustehen —
als zwei Ereignisse einen völlig veränderten Gang der Dinge
herbeiführten.
Urban III. starb am 20. Oktober 1187, seine nächsten
Nachfolger waren friedfertige Päpste. Vor allem aber erscholl
eine Trauerkunde vom Morgenland, die in jedem Herzen als ein
Schimpf für die abendländische Christenheit empfunden ward;
der Siegeszug Saladins gegen die lateinischen Herrschaften in
Palästina hatte am 3. Oktober 1187 mit der Einnahme Jeru⸗
salems geendet; nur Tyrus war auf dem asiatischen Festlande
noch in der Hand der Christen.
Tausend Interessen geistiger wie materieller Art verbanden
damals Orient und Occident; auch abgesehen von der religiösen
Bedeutung des Landes, da die Füße des Herrn gewandelt,
wurde der Schlag als eine Beraubung des abendländischen
Lebens empfunden. Es ist bezeichnend für die universale Rich⸗
tung der letzten Jahre Friedrichs, daß sich der Kaiser trotz
seiner Jahre alsbald zum thatkräftigen Vertreter dieser Em—
pfindungen aufwarf. Während püäpstliche Sendboten das Kreuz
1 In dem erhaltenen Schreiben Wichmanns von Magdeburg und seiner
Suffragane, Doeberl 4, 201 ff.