Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entwickelung und Wesen der ritterlichen Gesellschaft. 177 
lehnsherrliche Gebundenheit, und der Minister ial erschien als frei⸗ 
gesessen auf freiem Grunde, ein kleiner Grundherr. Das um so 
mehr, als sich mit dem wachsenden Ansehen des Standes viel⸗ 
fach Freie ihm anschlossen — eine Aufwärtsbewegung, die schon 
unter Kaiser Friedrich J. den Bauern verwehrt ward und nur 
noch den Bürgern offen blieb. 
In dieser Erhebung verschmolz der Stand ministerialischer 
Ritter immer mehr mit der älteren Gruppe ritterlicher Edler; 
hatte man im Jahre 1184 noch von ordo equestris maior und 
ininor gesprochen, so erscheint im Reichsfrieden schon des Jahres 
1156 die ritterliche Klasse als einheitlich, und der frühere Gegen— 
satz des Rechtes zwischen liber und servus wird in seinem 
Texte durch den neueren des Berufes zwischen miles und 
rusticus ersetztꝛe. Gegen Ende der Zeit Friedrichs J. kann 
dann kein Zweifel mehr sein: auf dem Boden ritterlichen Thuns 
haben sich Edle und Dienstmannen zu einem Stande zusammen⸗ 
gefunden, und nur archaische Erinnerungen an die frühere Tren⸗ 
nung tauchen gelegentlich noch auf?. Ja schon beginnen in 
einzelnen Gegenden des Reiches, namentlich in OÖsterreich, die 
ritterlichen Dienstmannen unter sich einen neuen Stand unfreier 
Ritter zu entwickeln: es wird der Stand gewesen sein, der die 
Soldritter in den Heeren Heinrichs VI. und noch mehr König 
Philipps und Ottos hergab, von dessen einem Vertreter Wolfram 
erzählt: 
er bot sin dienest umbe guot, 
als poch vil dicke ein riter tuots, 
und der immer in niedrigerem Ansehen blieb, soweit seine An— 
gehörigen nicht schlechten Sold aufs ängstlichste mieden. 
Ministerialen und Edle aber entwickelten nunmehr, seit 
Beginn des 18. Jahrhunderts, ihren neuen ritterlichen Stand 
zu vollendeter Durchbildung. Der Erwerb ritterlicher Fertig— 
A. a. O. 8 10. 
2 8. B. in Hartmanns Armem Heinrich, in dem 
älterer sozialer Schichtung fortleben, vgl. z. B. 1496 ff. 
3 Parzival J, 491; vgl. IV, 932, auch IV, 783. 
Lamvrecht, Deutsche Geschichte III. 
die Vorstellungen 
19
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.