Wo nur immer ein günstiges Geschick urwüchsigen
Nationen einen selbständigen Entwicklungsgang gestattet, der
aus den innersten Kräften des Volkstumes heraus, in den
wichtigsten Punkten ungestört von zwischengreifenden weltgeschicht—
lichen Einwirkungen in normaler Reifebildung verläuft, da lassen
sich der Regel nach drei Zeitalter wachsender Kultur unterscheiden,
die man mit der herkömmlichen Terminologie als Vorzeit, Mittel⸗
alter und Neuzeit bezeichnen kann.
Die Vorzeit begreift ein Zeitalter von meist ungemessener,
oft gewiß Jahrtausende umfassender Ausdehnung, während
dessen das Volk in der Thätigkeit des Fischers, Jägers und
Hirten verharrt. Seine Wirtschaft ist noch rein okkupatorisch;
flüchtig erringen die Volksgenossen in stetem Wechsel des Aufent—
halts die ersten Daseinsbedingungen der Nahrung und Kleidung,
soweit die Natur diese fast ohne menschliches Zuthun erzeugt.
Der Einzelne lebt noch aufs engste eingedettet in die jede
Individualität erdrückende Verfassung des Geschlechtes; in Ge—⸗
schlechter und Stämme, die sich zumeist gegenseitig befehden,
zerfällt das Volk. Die höheren Thätigkeiten des Denkens und
der künstlerischen Anschauung sind noch völlig gebunden; als
symbolisch kann man sie bezeichnen, insofern alles allgemeinere
Denken auf die Personifikation des Gedankeninhalts, namentlich
die Hypostasierung der Naturkräfte hinausläuft, und insofern
jede künstlerische Wiedergabe des Empfindens und der Anschauung
auf die unmittelbare Darstellung dieser Empfindung und An—
schauung durch menschliche Bewegungen und menschlichen Laut,
also auf die absolute Gleichstellung des Zustandes des Dar—
tellenden und des reproduzierten Empfindungsinhalts gerichtet ist.