Einleitung.
Dies Zeitalter wird bei ungestört normaler Entwickelung
durch ein zweites, das Mittelalter, abgelöst, indem die bisher
unstät schweifenden Volksmassen seßhaft werden in den ersten
Anfängen des Ackerbaues, eine Heimat erringen, die ihnen teuer
wird, und Zeit zu geistiger Muße finden, wie sie der wechsellose
Drang des Kampfes ums natürliche Dasein früher versagte.
Nun löst sich die Härte der alten Geschlechtsverbände allmählich
auf; an ihre Stelle treten lokale Verbände, zwar immer noch
aufs engste geschlossen, das Individuum noch aufs strengste
fesselnd, anfangs z. B. bis zur völligen Verneinung jedes Privat—
eigens an Grund und Boden: aber doch schon von viel freierer
Bildung gegenüber den natürlichen Verbänden der Vorzeit. Und
mit der selbständigeren Haltung der Einzelperson in Wirtschaft
und Verfassung, in Sitte und Recht beginnt zugleich der Auf—
schwung zu einer höheren Stufe geistigen Lebens. Die reli—
giösen Vorstellungen, bisher völlig anthropomorph, beginnen sich
abzuklären zur Vorstellung einer höchsten Ursache oder eines
obersten Schicksals; die Fälle bindender Beziehungen zwischen
den Volksgenossen werden im ganzen überblickt und sondern
sich in die immer reinlicher geschiedenen, genauer erkannten
Gruppen des Rechts und der Sitte. Die Kraft ästhe—
tischer Anschauung wächst, wenn auch noch nicht bis zum
vollen, naturalistischen Erfassen der sinnlichen Welt, so doch
bis zu ihrer künstlerischen Wiedergabe durch das Ornament und
die oft äußerst wirkungsvolle Schönheit konventioneller Dar—
stellung im plastischen Bild und im Gemälde.
Und wieder tritt eine große Weiterbewegung ein. Sie
führt zur Neuzeit hinüber. Die agrarische Wirtschaft, bisher
vereinzelt betrieben in dem bäuerlichen Heim des Dorfes oder
vom ragenden Sitze des Großgrundherrn, in jedem Betriebe
sich selbst genügend, ihre sämtlichen Produktionsmittel selbst
erzeugend, mit ihren Ergebnissen alle Bedürfnisse deckend, be⸗
ginnt Überschüsse zu erzielen. Wie sie anwenden? Neue regel—
mäßige Bedürfnisse entstehen, die nicht aus den unmittelbaren
Erzeugnissen jeder einzelnen Wirtschaft befriedigt werden können,
die den Austausch eigener Überschüsse gegen Produkte fremder