Geistige Kultur der Stauferzeit.
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einfacher Gnomik, teils im Schelt- und Loblied auf Personen
und Zustände. Hier setzt Walther ein, um eine politische
Dichtung von ernstester Bedeutung zu entwickeln, die mahnend
und zürnend die öffentliche Meinung der Zeit in patriotischem
Sinne gelenkt hat. In diesem Zusammenhang wird Walther
trotz guten Christenglaubens zum eisernen Streiter gegen den
Papst, aber auch allen Auswüchsen der nationalen Entwickelung
tellt er sich selbstbewußt entgegen und rät gegen sie, ein kühner
Arzt, die Anwendung meist radikaler Mittel.
Als Spruchdichter hat Walther einige schwächere Nach—
ahmer gehabt; darauf sank die Gnomik wiederum in die Kreise
reiner Fahrender herab, auch dann noch ein wesentlicher Bestand⸗
leil der Dichtung im späteren 18. Jahrhundert. Als Lyriker
haben ihn alle dichterischen Nachfahren auch nachgeahmt, von
Dtto von Botenlauben, dem Markgrafen von Hohenburg und
Hiltbolt von Schwangau an bis auf die letzten Minnesänger um
die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts. Annähernd gleich—
gekommen aber ist ihm nur einer, ein Zeitgenosse, Wolfram von
Eschenbach. In seinen wenigen Gedichten ist Wolfram einer
der größten Lyriker deutscher Zunge; seine Lieder quellen förm—
lich über von innerem Leben, und subjektiv in der Färbung
wie kaum sonst Dichtungen der Stauferzeit, sind sie doch wieder
so gegenständlich, daß selbst Walthers Gestalten vor den ihrigen
berblassen. Am bedeutendsten freilich ist Wolfram im Tagelied,
das in Gespräch und Erzählung verläuft; auch hier zeigt sich
im tiefsten Grunde der Meister epischer Dichtung.
Die Epik, vornehmlich in romanhafter Ausbildung, kann
man als die eigentliche Modedichtung der Zeit bezeichnen. Un—
erschöpflich war die ritterliche Gesellschaft in der geistigen Auf⸗
nahme ihrer Stoffe; wie einst die Stammeszeit des 7. bis
J. Jahrhunderts alle Reize ornamentaler Erfindung bei Römern
und Orientalen, bei Iren und Angelsachsen in sich vereint hatte,
so umfaßte das höfische Zeitalter die Erzählungen aus aller Welt
und gebar sie zu buntester Mannigfaltigkeit wieder.
Diese außerordentliche Rezeptionsfähigkeit war die Voraus—