Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Geistige Kultur der Stauferzeit. 
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der Zug ins Gegenständliche, ins Malerische noch weiter. Wie 
fern war man damit dem Zuge des ältesten Epos zum Er— 
habenen, zum roh, aber schneidend Charakteristischen, zum 
Ornamentalen gleichsam in der Dichtung getreten! Jetzt wehen 
mildere Lüfte, die Personen weichen gelegentlich völlig der 
Staffage, und in breiter Modeausführung bemächtigt sich die 
Feder des Dichters der rein zuständlichen Schilderung. 
Es ist nur eine andere Seite derselben Entwickelung, wenn 
zugleich die Person des Dichters gelegentlich hervortritt, wenn 
individuelle Reflexionen und Sentenzen den Gang der Darstellung 
unterbrechen, wenn der Stil nicht selten selbstgefällig wird und 
die Sprache in These und Antithese lustig einherschaukelt. Auch 
hier siegt der Zug aufs gegenständlich Verweilende, und die 
Form des epischen Romans vermag sich der gleichzeitigen re⸗ 
lektierenden Lyrik bis auf ein Geringes zu nähern. 
Das älteste Denkmal der neuen Dichtung in Deutschland, 
soweit sie nicht mehr von einigen Mitgliedern des Klerus gegen 
die heimische Poesie ausgespielt, sondern von der höfischen Ge⸗ 
sellschaft getragen ward, ist wohl das nur in Bruchstücken er⸗ 
haltene Epos Floyris. Um etwa 1170 in der Trierer Gegend 
entstanden, erzählt es schlicht und knapp die treue, reine, bis 
in den Tod verharrende Liebe von Floris und Blancheflur. 
Bald darauf fand dann in Tristan und Isolde auch das Hohe⸗ 
lied der unrein verzehrenden, alle Schranken des Rechts und 
der Sitte dämonisch durchbrechenden Liebe seine älteste Be— 
arbeitung. Ihr Verfasser ist Eilhart von Oberge, ein Dienst⸗ 
mann Heinrichs des Löwen. Eilharts Stil ist noch formelhaft, 
sein Held noch ein halber Recke, und der Dichter ergeht sich 
gelegentlich noch in volkstümlich märchenhaften Zügen im Sinne 
ber Fahrenden. Aber daneben finden sich bei ihm schon die 
höfischen Wörter amie und kumpanie, paulun und garzun 
und das Duzen ist durchs Ihrzen ersetzt!: unverkennbar ist 
der französische Einfluß. 
Gauz ihm hingegeben und daher der erste große Dichter 
S. Liechtenstein, Quellen und Forschungen 19, OLII ff.
	        
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