Geistige Kultur der Stauferzeit. 247
Umständen verdankt ward; er konnte nicht lange Zeit währen.
Seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verfiel die Plastik,
und erst gegen Schluß des 15. Jahrhunderts, nach mannigfacher
Knechtung durch den Geist der Gotik, hat sie eine neue Auf⸗
erstehung als frei schaffende Kunst gefeiert!.
VI.
Im Verfolg der künstlerischen Entwickelung sind wir über
die Grenzen dichterischer Blütezeit hinausgeeilt bis in die Mitte
des 13. Jahrhunderts; kehren wir nunmehr zur Geschichte der
Dichtung zurück. Freilich nur noch von ihrem Verfall ist zu
melden.
Mit Walther von der Vogelweide hatte die ritterliche Lyrik
ihren Höhepunkt erreicht; die Dichter nach ihm sind Epigonen.
Der Grund hierfür ist nicht allein in dem geringeren poetischen
Vermögen der Nachzügler zu suchen. Die zarte, stets etwas künst⸗
liche Blüte des Minnedienstes selbst welkte dahin?, ihre über—
schwenglichen Sänger wurden als arge Minnerlein verspottet?.
Nur im Osten, auf dem neuerworbenen kolonialen Gebiete, das
die geistige Entwickelung des Mutterlandes eine geraume Zeit
hindurch um etwa eine Generation später durchlebte, kam es noch
zu einer beachtenswerten Nachblüte, der nicht nur epigonenhafter
Charakter eignet. Die Fürsten waren es hier vor allem, die
das Leben der hohen Minne fortpflanzten und in zarten Reimen
priesen: Markgraf Heinrich III. von Meißen, Herzog Heinrich IV.
von Breslau, König Wenzel II. von Böhmen, Markgraf Otto IV.
don Brandenburg: sogar in Rügen ertönten Minneweisen aus
dem Munde eines Slawenfürsten, Wizlaws III. (1302 - 1825).
In den Kernlanden der deutschen Dichtung dagegen, in
1 Über die Entwickelungsmomente des romanischen Baustils s. Band IV,
S. 277 ff.; vgl. auch die Ausführungen in Band II, S. 7I.
S. oben S. 200 ff.
3 S. die Stelle bei Steinmar: Est ein argez minnerlin, vgl.
Burdach Reimar S. 177.