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Einleitung.
In all diese Zustände kommt mit der Mitte des 12. Jahr—
hunderts etwa eine steigende Gärung: sie werden gesprengt,
und heraus wächst eine neue, freiere Gestaltung mittelalterlichen
Kulturlebens.
Die treibende Kraft lag während der ersten losen Anfänge
der Geldwirtschaft zunächst in den Städten; ihr Auftreten, ihre
zunehmende Erweiterung giebt den späteren Jahrhunderten des
Mittelalters seit der Stauferzeit einen besonderen, wenn auch noch
immerhin mittelalterlichen Charakter: bis mit dem Ausgang des
15. Jahrhunderts der mittelalterliche Rahmen völlig gesprengt wird.
Die Großgrundherrschaften des 8. bis 10. Jahrhunderts,
jene ersten großen Organisationen agrarischer Kräfte innerhalb
der deutschen Geschichte, hatten die Überschüsse ihrer Erträge
wesentlich zum weiteren Ausbau der Heimat und damit zu
ihrer Vergrößerung wie zur Ernährung einer stets wachsenden
Bevölkerung verwendet. Es war dabei, namentlich in den höher
kultivierten Gegenden des Reiches, schließlich zu einer Steigerung
der Bevölkerung gekommen, für deren Ernährung die wirt—
schaftliche Thätigkeit bloßen Ackerbaues nicht mehr ausreichte.
In Fülle begannen hörige Leute wie Freie vom Lande darum
den Städten zuzuwandern, um sich hier den nunmehr erblühenden
Handwerken einzuordnen.
Zu gleicher Zeit waren aber auch die Großgrundherren an
den Schluß ihrer alten Ausbaubestrebungen gelangt; das Land
war völlig besiedelt; nicht mehr in der weiteren extensiven
Kultivierung jungfräulichen Bodens konnte eine Steigerung
ihrer Einnahmen erblickt werden, sondern nur noch in der in—
tensiveren Bearbeitung des einmal aufgewonnenen Landes und in
einer besseren Organisation des Betriebes. Die hierdurch steigen⸗
den Erträge fanden Absatz in der ungemein rasch wachsenden
Bevölkerung der Städte, deren Aufgabe es damit ward, dem
platten Lande hierfür besseres Ackergerät sowie überhaupt die
Voraussetzungen einer höheren Lebenshaltung in industriellen
Erzeugnissen zu liefern.
So trat, deutlich wahrnehmbar im Verlaufe der ersten
Hälfte des 12. Jahrhunderts, eine nie nachlassende Strömung