Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Geistige Kultur der Stauferzeit. 251 
hurg und erstirbt erst völlig mit den staatskirchenrechtlichen 
Kämpfen unter Ludwig dem Baier. Aber danebenher läuft fast 
von Anbeginn eine religiöse Richtung; schon Freidanks Bescheiden— 
heit verbindet ritterliche und geistliche Anschauung. Dieser 
Finschuß wird dann immer stärker, und immer mehr nimmt 
er einen speziell kirchlichen Charakter an. So ganz im Renner 
des bamberger Schulmeisters Hugo von Trimberg; Hugo will 
nichts wissen von Rittertum und Minnespiel; das Gemein⸗ 
oerständliche und Platte in geistlicher Färbung vor allem be— 
hagt ihm. Darauf noch ein Schritt, und wir befinden uns im 
geistlichen Lehrgedicht; die Allegorie wuchert empor, und die 
Frotik des Alten Testamentes wird zu faden sittlichen Be— 
trachtungen vergeudet und antityhpisch den Erzählungen der Heils— 
thatsachen des Neuen Testamentes gegenübergestellt. 
Und auch die anderen Gattungen der Poesie verfallen geist— 
lichem Einfluß; an die Stelle des Schwankes, der Novelle und 
des alten Abenteuerromans treten geistliche Erzählungen und 
Legenden, bis das deutsche Passional gegen Ende des 18. Jahr⸗ 
hunderts im ausgesprochnen Gegensatze zur Ritterdichtung all 
die Wundererzählungen der Legenda aurea für deutsche Ohren 
zusammenfaßt. 
Aber der neuen Entwickelung, die in der Pflege der alten 
Formen der ritterlichen Poesie nur nachahmend schaffen konnte, 
fehlte nicht ein neuer, eigenartiger Zug ins Herbe und Große. 
Die deutsche Predigt erwachte jetzt, und dem mild entsagenden 
und demütigen David von Augsburg folgte in seinem Schüler 
Berhtolt von Regensburg einer der gewaltigsten Redner, die je 
in deutscher Zunge gesprochen haben. Ein Volksprediger von 
ursprünglichster Gewalt, zog er in den ersten Jahrzehnten nach 
der Mitte des 13. Jahrhunderts von Ort zu Ort, ganz Ober— 
deutschland zur Einkehr im Glauben zu zwingen; ein Eiferer 
seines Gottes, predigte er bald das süße Wort Christi, bald 
und noch glühender die Lehre von dem alttestamentlichen Herrn 
der Heerscharen, der da straft bis ins sechste und siebente Glied. 
Vertraut mit allen geistigen Geheimnissen seiner Nation, jede 
Regung der Volksseele mit zartestem Verständnis anempfindend,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.