Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

260 Neuntes Buch. Viertes Napitel. 
zum König eine wahrhaft thatkräftige Monarchie des Nordens 
zu begründen. Nun spielte zwar Otto gegen den Erzbischof 
von Köln die Stadt Köln aus, zunächst mit Erfolg; aber 
gleichwohl begann schon im Fruhling 1204 der Abfall unter 
den ihm bisher ergebenen Fürsten. Zuerst zogen sich die säch— 
sischen Großen zurück, dann die früheren Parkeigänger Philipps, 
der thüringer Landgraf und der Böhmenkönig; ausschlaggebend 
war der Übertritt des Erzbischofs von Köln und des Herzogs 
von Brabant auf staufische Seite, November 1204. Seitdem 
konnte Philipp fast als alleiniger Herrscher gelten; zur vollen 
Freiheit des Handelns bedurfte es nur noch der Vertreibung 
Ottos aus Köln, dessen Bürgerschaft dem Gegenkönig hart⸗ 
näckig ergeben blieb, und der Aussöhnung mit der feindlichen 
urie. 
Köln gelang es erst im Jahre 1206 zu bezwingen, und 
auch jetzt noch erreichte die Stadt die glimpflichste Behandlung: 
fie wahrte ihre alten Freiheiten, ja sie erhielt noch obendrein 
mannigfache Erleichterungen der Zollpraxis am Rheine. Otto 
aber entwich in seine braunschweigischen Lande und von da 
über Dänemark nach England: sein Königtum war kaum X 
ein Schatten. 
Mit der Kurie sich auseinanderzusetzen, gelang Philipp 
leichter, als nach der Lage der Dinge im Jahre 1203 anzu⸗ 
nehmen gewesen wäre. Innocenz III. hatte inzwischen in seiner 
italienischen Machtstellung mannigfache Hindernisse gefunden. 
Vergebens hatte er nach dem Tode der Kaiserin Konstanze ver⸗ 
sucht, die päpstliche Oberhoheit im Reiche Sizilien in umfassen⸗ 
der Weise durchzusetzen; die deutschen Ministerialen bemächtigten 
sich unter tapferen Kämpfen der Herrschaft zu Gunsten Friedrichs II. 
und erkannten die Vormundschaft des Papstes über den jungen 
König erst an, nachdem dieser seine Anfsprüche herabgesetzt hatte. 
Und für Mittelitalien drohten der Kurie noch weit größere Ge⸗ 
fahren. Der vierte Kreuzzug, von den klugen Venetianern gegen 
Byzanz gelenkt, hatte in Konstantinopel zur Wiedereinsetzung 
des Kaisers Isaak II. Angelos und zur Mitherrschaft Alexios IV. 
geführt: es waren Schwiegervater und Schwager Philipps.
	        
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