Zerfall des Reiches.
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a im Patrimonium Petri nach Art Heinrichs VI. eigenmächtig
durchgegriffen, besetzte er im Spätherbst des Jahres 1210 Capua,
Neapel, Salerno; gleichzeitig wurde in Pisa eine Flotte gegen
Sizilien mobil gemacht: es war kein Zweifel: Otto betrachtete
das staufische Erbreich Sizilien als Avulsum imperii; sein
Traum war das Universalreich Heinrichs VI., nur in welfischen
Händen.
Entsetzt sah der Papst diese Fortschritte; vergebens suchte
er sie in fieberhaften Unterhandlungen mit Otto zu hindern:
da bannte er Otto, am 18. November 1210.
Der Bann that in Deutschland eine unerwartet starke Wirkung.
Zwar lähmten die Schrecken der kirchlichen Zensur an sich nur
noch mäßig; aber die Fürsten, schon längst mit dem Ministerialen⸗
kaiser innerlich zerfallen, in Furcht vor der Erneuerung der
Zeiten Heinrichs, begrüßten das Vorgehen des Papstes als Er⸗
lösung. Sofort begannen sie zu konspirieren; schon im Früh—
jahr 1211 haben der Böhmenkönig und der thüringer Landgraf,
diese unsichersten Elemente des damaligen Fürstentums, sich mit
sächsischen Laien⸗ und Pfaffenfürsten wegen einer Neuwahl be⸗
sprochen; bald darauf bannte der Mainzer Erzbischof den Kaiser,
und im September 1211 wurde Friedrich II. in Nurnberg zum
Kaiser gewählt und, ein König von Gotles und des Papstes
Gnaden, wie er sich selbst nannte, nach Deutschland berufen.
Fürstentum, Papsttum und staufische Erbmonarchie in Sizilien
fraten vereint auf gegen den kaiserlichen Universalismus der
Ministerialität und des Welfen.
Otto hatte inzwischen in Apulien wesentliche Fortschritte
zemacht. Jetzt trieben ihn die deutschen Nachrichten zur
Heimat zurück; im Frühjahr 1212 hielt er einen zahlreich be⸗
suchten Hoftag zu Frankfurt; seine Energie schien die Partei
der Unzufriedenen gesprengt zu haben; schon konnte er sich
gegen einzelne besonders unzuverlässige Fürsten wenden, zunächst
gegen Hermann von Thüringen; seit Juli 1212 belagerte er
Weißensee.
Allein an Friedrich II. hatte Otto einen furchtbaren Gegner.
Der junge Staufer ward eben damals mündig, und schon ent⸗