Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Zerfall des Reiches. 
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die grausamen Zeiten Heinrichs VI. schienen sich zu erneuen. 
Aber noch hatte Friedrich Norditalien nicht durch gegenseitige 
Verfeindung seiner Fürsten und Städte wehrlos gemacht, wie 
Heinrich VI.; hier suchte darum der heißblütige Gregor IX., wie 
einst Alexander III., politische Anlehnung. Am 80. November 1238 
gingen Venedig und Genua zu Rom einen Bund ein gegen den 
Kaiser auf neun Jahre und versprachen, ohne Zustimmung der 
Kurie keinen Vertrag mit dem Kaiser zu schließen: aus dem 
äußersten Westen und Osten wie von Rom her zog sich's über 
Friedrich zusammen. Am 24. März 1289 bannte Gregor L. 
den Kaiser. 
Der Bann blieb in Deutschland zunächst ohne Wirkung, 
trotz der fanatischen Agitation des passauer Domherrn Albertus. 
In Italien aber setzte sich Friedrich nunmehr in den Besitz des 
Erbes Petri. Nachdem er im Juli 1239 König Enzio zum 
Generallegaten für Italien ernannt hatte, zog er anfangs 1240 
selbst in die Länder des Patrimoniums ein; nur dem unmittel— 
barsten persönlichen Einschreiten des Papstes ward es verdankt, 
daß ihm nicht auch Rom in die Hände fiel. Das Papsttum 
aber schien verloren. 
In dieser äußersten Not winkte anscheinend eine Rettung 
so unverhofft, so unerwartet in ihrem Anlaß, wie die Rettung 
des Papsttums durch den ersten Kreuzzug gegen Schluß des 
11. Jahrhunderts. 
In Asien hatte Temudschin, der Dschengis-Khan mongo— 
lischer Horden, ein ungeheures Reich begründet, indem er die 
herrschende Dynastie Chinas stürzte und das blühende Reich der 
Chowaresmier bezwang. Nach seinem Tode setzten Söhne und 
Enkel das Werk der Eroberung fort; die Länder nördlich des 
schwarzen Meeres wurden unterworfen, Moskau und Kiew ein—⸗ 
genommen, Krakau verbrannt, die Ungarn auf der Heide von 
Mohy geschlagen, endlich, April 1241, deutsche Streitscharen 
unter Herzog Heinrich von Niederschlesien auf der Wahlstatt 
von Liegnitz besiegt: eine allgemeine Überschwemmung des christ⸗ 
lichen Westeuropas durch Scharen schrecklicher Heiden schien 
hevorstel end.
	        
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