Zerfall des Reiches.
281
die grausamen Zeiten Heinrichs VI. schienen sich zu erneuen.
Aber noch hatte Friedrich Norditalien nicht durch gegenseitige
Verfeindung seiner Fürsten und Städte wehrlos gemacht, wie
Heinrich VI.; hier suchte darum der heißblütige Gregor IX., wie
einst Alexander III., politische Anlehnung. Am 80. November 1238
gingen Venedig und Genua zu Rom einen Bund ein gegen den
Kaiser auf neun Jahre und versprachen, ohne Zustimmung der
Kurie keinen Vertrag mit dem Kaiser zu schließen: aus dem
äußersten Westen und Osten wie von Rom her zog sich's über
Friedrich zusammen. Am 24. März 1289 bannte Gregor L.
den Kaiser.
Der Bann blieb in Deutschland zunächst ohne Wirkung,
trotz der fanatischen Agitation des passauer Domherrn Albertus.
In Italien aber setzte sich Friedrich nunmehr in den Besitz des
Erbes Petri. Nachdem er im Juli 1239 König Enzio zum
Generallegaten für Italien ernannt hatte, zog er anfangs 1240
selbst in die Länder des Patrimoniums ein; nur dem unmittel—
barsten persönlichen Einschreiten des Papstes ward es verdankt,
daß ihm nicht auch Rom in die Hände fiel. Das Papsttum
aber schien verloren.
In dieser äußersten Not winkte anscheinend eine Rettung
so unverhofft, so unerwartet in ihrem Anlaß, wie die Rettung
des Papsttums durch den ersten Kreuzzug gegen Schluß des
11. Jahrhunderts.
In Asien hatte Temudschin, der Dschengis-Khan mongo—
lischer Horden, ein ungeheures Reich begründet, indem er die
herrschende Dynastie Chinas stürzte und das blühende Reich der
Chowaresmier bezwang. Nach seinem Tode setzten Söhne und
Enkel das Werk der Eroberung fort; die Länder nördlich des
schwarzen Meeres wurden unterworfen, Moskau und Kiew ein—⸗
genommen, Krakau verbrannt, die Ungarn auf der Heide von
Mohy geschlagen, endlich, April 1241, deutsche Streitscharen
unter Herzog Heinrich von Niederschlesien auf der Wahlstatt
von Liegnitz besiegt: eine allgemeine Überschwemmung des christ⸗
lichen Westeuropas durch Scharen schrecklicher Heiden schien
hevorstel end.