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Neuntes Buch. Viertes Kapitel.
Gregor IX. hatte deshalb zu Ostern 1241 ein Konzil aus⸗
geschrieben, der nahen Gefahr zu begegnen; von neuem wollte
die Kurie sich an die Spitze einer großen abendländischen Be⸗
wegung stellen und den Kaiser zu erniedrigendem Nichtsthun
in irgend einem Winkel des Landes verurteilen. Aber Friedrich sah
die Gefahr und begegnete ihr mit der furchtbaren Energie seiner
späteren Jahre. Er eroberte mit blutigen Anstrengungen Faenza,
um dessen Belagerung sich die erneuten lombardischen Kämpfe
zusammengezogen hatten; er ließ durch König Enzio auf der Höhe
von Meloria bei der Insel Giglio mehr als hundert Prälaten
abfangen, die im Begriff waren, sich zur See zum Konzil des
Papstes zu begeben. Dann eroberte er im Laufe des Jahres 1241
fast die ganze Campagna; Tivoli, Albano, andere Städte fielen
ihm zu; verzweifelt bot der Papst einem französischen Prinzen die
Krone der Staufer: da starb er, ein ohnmächtiger Greis, am
21. August 1241. Nach seinem Tode aber und nach einem kurzen
Pontificat Cölestins IV. trat eine fast zweijährige Sedis—
vakanz für den heiligen Stuhl ein — das Papfttum schien be⸗
siegt, zumal die Mongolengefahr sich alsbald nach der Schlacht
von Wahlstatt völlig als eingebildet erwies: endlich schien das
große Reich der europäischen Mitte, die sichere Basis eines noch
größeren staufischen Universalreichs, begründet.
Aber auch diesmal fand die Bewegung unübersteigbare Grenzen.
Mit wachsendem Erstaunen hatte man in Deutschland die kaiser—
liche Politik in Italien verfolgt. Fast erschien eine Zeit, da zwischen
Kirche und Monarchie kein Papst mehr stehen würde, denkbar: ja
den Pfaffenfürsten schien sie nahe herbeigekommen. Ein Zeit⸗
alter kaiserlicher Allgewalt konnte hereinbrechen: was hatten
die Laienfürsten ihm entgegenzusetzen? So begannen die ge—
heimen Umtriebe Gregors IX., die Bannung Friedrichs, die
bitteren Proklamationen der Kurie über die kaiserlichen Unthaten
erst jetzt, nach dem Tode des Papstes, zu wirken. Schon
am 10. September 1241 schlossen Erzbischof Siegfried von Mainz,
der Gubernator des Reiches neben dem jugendlichen Könige Konrad,
und Erzbischof Konrad von Köln ein Bundnis, wodurch sie sich
im Kampfe zwischen Kaiser und Papst zu gegenseitiger Unter—