Zerfall des Reiches.
283
stützung und gemeinsamer Haltung verpflichteten: es war der
erste Schritt gegen den staufischen Universalismus.
Friedrich verstand ihn so, er sah die ausschlaggebende Be—
deutung des Vorgangs und erschien sobald als möglich in
Deutschland, um die ersten Symptome des Widerstands zu ver—
nichten. Auf einem Reichstage zu Frankfurt übertrug er die
Statthalterschaft des Reiches auf Wenzel von Böhmen und
Heinrich Raspe von Thüringen; gleichzeitig gab er einer Anzahl
bischöflicher und königlicher Städte weitgehende Privilegien;
gegen die Pfaffenfürsten spielte er das Bürgertum und die
Laienfürsten, diese freilich nicht ohne Mißtrauen, aus. Es war
die letzte größere Regierungshandlung Friedrichs in Deutschland;
sie hatte den beabsichtigten Erfolg. Am Niederrhein geriet der
Erzbischof von Köln in die Gefangenschaft des städtefreundlichen
Grafen von Jülich, am Mittelrhein wußte König Konrad in
Gemeinschaft mit den Wormser Bürgern den Mainzer Erzbischof
wenigstens in Schach zu halten.
Aber nicht von Deutschland her vornehmlich, von den er—
wachenden nationalen Selbständigkeitstrieben der romanischen
Völker vielmehr drohte dem Universalreich unbesiegbarer Wider⸗
stand. Indem die Kurie sich mit ihnen verband, wie einstmals
mit der romanischen Kirchenreform des 10. und 11. Jahrhunderts,
hat sie das germanische Kaisertum des früheren Mittelalters,
die einzige halbwegs wahrhafte Universalherrschaft der modernen
westeuropäischen Entwickelung, aus den Angeln gehoben.
Die Könige von Frankreich und England hatten sich bisher
gegenüber den Kämpfen Friedrichs im allgemeinen neutral ge—
halten; politisch sind sie auch später bei dieser Auffassung ge—
blieben. Dagegen fand König Ludwig IX. von Frankreich die
Aussicht auf ein völliges Erlöschen des Papsttums im alten
Sinne doch zu furchtbar, um nicht bei dem Kardinalkollegium
auf die Neuwahl eines Papstes drohend zu dringen. Mit Zittern
entschlossen sich die Kardinäle zur Wahl; sie waren weit davon
entfernt, dem Kaiser entschlossen entgegentreten zu wollen; sie wählten
am 25. Juni 1243 seinen Freund, den Genuesen Sinibald Fiesko,
Grafen von Lavagna, als Innocenz IV. zum Papste. Dem ent—