Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Zerfall des Reiches. 
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stützung und gemeinsamer Haltung verpflichteten: es war der 
erste Schritt gegen den staufischen Universalismus. 
Friedrich verstand ihn so, er sah die ausschlaggebende Be— 
deutung des Vorgangs und erschien sobald als möglich in 
Deutschland, um die ersten Symptome des Widerstands zu ver— 
nichten. Auf einem Reichstage zu Frankfurt übertrug er die 
Statthalterschaft des Reiches auf Wenzel von Böhmen und 
Heinrich Raspe von Thüringen; gleichzeitig gab er einer Anzahl 
bischöflicher und königlicher Städte weitgehende Privilegien; 
gegen die Pfaffenfürsten spielte er das Bürgertum und die 
Laienfürsten, diese freilich nicht ohne Mißtrauen, aus. Es war 
die letzte größere Regierungshandlung Friedrichs in Deutschland; 
sie hatte den beabsichtigten Erfolg. Am Niederrhein geriet der 
Erzbischof von Köln in die Gefangenschaft des städtefreundlichen 
Grafen von Jülich, am Mittelrhein wußte König Konrad in 
Gemeinschaft mit den Wormser Bürgern den Mainzer Erzbischof 
wenigstens in Schach zu halten. 
Aber nicht von Deutschland her vornehmlich, von den er— 
wachenden nationalen Selbständigkeitstrieben der romanischen 
Völker vielmehr drohte dem Universalreich unbesiegbarer Wider⸗ 
stand. Indem die Kurie sich mit ihnen verband, wie einstmals 
mit der romanischen Kirchenreform des 10. und 11. Jahrhunderts, 
hat sie das germanische Kaisertum des früheren Mittelalters, 
die einzige halbwegs wahrhafte Universalherrschaft der modernen 
westeuropäischen Entwickelung, aus den Angeln gehoben. 
Die Könige von Frankreich und England hatten sich bisher 
gegenüber den Kämpfen Friedrichs im allgemeinen neutral ge— 
halten; politisch sind sie auch später bei dieser Auffassung ge— 
blieben. Dagegen fand König Ludwig IX. von Frankreich die 
Aussicht auf ein völliges Erlöschen des Papsttums im alten 
Sinne doch zu furchtbar, um nicht bei dem Kardinalkollegium 
auf die Neuwahl eines Papstes drohend zu dringen. Mit Zittern 
entschlossen sich die Kardinäle zur Wahl; sie waren weit davon 
entfernt, dem Kaiser entschlossen entgegentreten zu wollen; sie wählten 
am 25. Juni 1243 seinen Freund, den Genuesen Sinibald Fiesko, 
Grafen von Lavagna, als Innocenz IV. zum Papste. Dem ent—
	        
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