Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

284 
Neuntes Buch. Viertes Kapitel. 
sprechend ging Innocenz IV. anfangs nur darauf aus, in ehr— 
lichem Vertrag mit dem Kaiser dem Papsttum überhaupt das 
Dasein zu sichern; in diesem Sinne machte er mit ihm am 
31. März 1244 freundschaftlich Frieden. 
Allein bei Ausführung des Friedens kam es zu Mißver— 
ständnissen; die historische Bedeutung des Papsttums machte sich 
auch bei seinem neuen Träger immer mehr geltend, um so mehr 
als der Kaiser gerade in dieser Zeit einige Einbußen seiner 
Macht erlitt; es kam dahin, daß der Papst seinen vorschnellen 
Abschluß mit dem Kaiser bereute, daß er Ausflüchte suchte, daß 
er schließlich nach Frankreich entwich. 
Persönlich frei aber berief er ein Konzil nach Lyon und 
setzte auf ihm, des prinzipiellen Gegensatzes seiner Stellung zum 
Kaiser sich nun voll bewußt, trotz wesentlicher Bedenken der 
englischen Prälaten, trotz augenscheinlichen Zauderns der Könige 
von England und Frankreich, trotzdem der Kaiser nach Meinung 
des Konzils erst befragt werden sollte, die Absetzung des Kaisers 
durch, am 17. Juli 1245. 
Es war der entscheidende Schlag gegen Friedrich. Über 
die noch unreifen nationalen Bedenken der Franzosen hinweg 
hatte der alte, seines Handelns und seiner Ideen bewußte Feind 
des Kaisertums, das Papsttum, die Führung im Kampfe über—⸗ 
nommen: ihm folgte alsbald die deutsche Kirche. Päpstliche 
Bestechungen gaben den Pfaffenfürsten den Mut öffentlichen 
Auftretens; am 22. März 1246 wählten die drei rheinischen 
Erzbischöfe und fünf Bischöfe, daneben einige unzufriedene Edle 
und Dienstmannen Heinrich Raspe von Thüringen zum deutschen 
Gegenkönig. 
Friedrich brannte darauf, den Papst in Lyon und die auf— 
rührerischen Deutschen in der Heimat mit Heereskraft heimzu— 
suchen; im Sommer 1247 war er bereit, da siel die wichtige 
Stadt Parma von ihm ab und nötigte ihn, in Italien zu 
bleiben. 
Seitdem häufte sich Unglück auf Unglück. Die Belagerung 
von Parma zog sich in die Länge, die Hilfsquellen Siziliens 
erschöpften sich, Deutschland lieferte schon seit etwa 1289 keine
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.