Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Einleitung. 
rein nationaler höherer Bildung entwickelte, und wie sich mit 
seiner Lebensrichtung die Daseinsformen der höheren Geistlichkeit, 
der einzigen feingebildeten Gesellschaft bisher, mehr oder minder 
oerschmolzen.“. Auf diese Weise entstand zum erstenmal 
auf deutschem Boden eine wahrhaft nationale, überallhin ver— 
breitete, geistig belebte Gesellschaft, eine Aristokratie der ästhe— 
tischen Bildung. Und schon gewährten die Fortschritte der 
Volkswirtschaft dieser die Möglichkeit eines ausgedehnten fried— 
lichen Verkehrs, eines wirklichen geselligen Lebens von Hof zu 
Hof und von Burg zu Burg. Es waren Errungenschaften, die 
nach dem Verfall des Rittertums gegen Ende des 18. Jahr— 
hunderts in fast erhöhtem Maße noch auf die höheren bürger⸗ 
lichen Kreise übergingen. Jetzt waren die Städte schon unbe— 
weifelt Stätten eines höheren, dauernden Friedens; eng geschart 
wohnte in ihnen eine bürgerliche Aristokratie, die, ursprünglich 
dielfach dem Rittertum angehörig, nach dessen Versinken in die 
kleinlichen Verhältnisse des Landjunkertums den guten Kern der 
alten Bildung bewahrt und durch eigene geistige Arbeit ver— 
mehrt hatte: was Wunder, wenn sie zum erstenmal die Anfänge 
zut bürgerlicher Gesellschaft ausbildete. 
Freilich besaß diese Gesellschaft noch nichts von dem freien 
geistigen Leben der späteren Gesellschaft der Renaissance; streng 
herrschte bei ihr Konvenienz und Etikette; in den Äußerlichkeiten 
feineren Verkehrs ging sie nicht minder auf, wie die ritterliche 
GHesellschaft der Stauferzeit. 
Aber gerade der Konventionalismus der bürgerlichen wie 
oorher der ritterlichen Gesellschaft war das fördernde Element 
des nationalen Geisteslebens im 12. bis 15. Jahrhundert. War 
man bis dahin in der Kunst noch typischen Anschauungen ge— 
folgt und unter ihrem Einfluß zur Vergegenwärtigung der 
schönen Außenwelt fast nur im Ornamente gelangt: jetzt er— 
blickte man diese Außenwelt und vornehmlich die Menschenwelt 
in genauer erfaßten Formen, in den Umrissen ritterlicher 
oder bürgerlicher Modevorstellungen, im leisen Schwung etwa 
S. unten S. 176 ff.
	        
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