Erstes Kapitel.
Bonderbildungen des deuftschen Wesens
in Jlandern und Holland vom 10. bis zum
13. Jahrhundert.
J.
Die Geschichte der meisten großen europäischen Völker hat
von jeher des Vorteils einer unveränderten geographischen
Grundlage genossen. Das geeinte Italien hat nie eine andere
Hauptstadt gekannt, als Rom, England hat den Mittelpunkt
seines Lebens von jeher in London gefunden, Frankreich min—
destens seit dem 11. Jahrhundert dauernd in Paris; sogar der
spanischen wie der Balkanhalbinsel mit ihren abgeschlossenen
bergbegrenzten Landschaften ist ein natürlicher Zug nach Madrid
und Konstantinopel schon frühzeitig zu gute gkkommen. Darum
wurden fast überall im civilisierten Europa die volkswirtschaft⸗
lichen Kapitalien in Straßen und Kanälen, in der Abstufung
extensiveren und intensiveren Anbaues auf Grund völlig stän—
diger national⸗geographischer Verhältnisse festgelegt, darum bil⸗
delen sich überall unverrückbare Brennpunkte geistigen Lebens
und nationaler Sitte; darum konnte unter denselben räum—
lichen Verhältnissen Errungenschaft auf Errungenschaft gehäuft
werden: Paris vornehmlich, doch auch London und Rom sind
vom geschichtlichen Standpunkte wie nach dem Maßstab der
Gegenwart Mikrokosmen des französischen, englischen, italieni—
schen Volkstums.