Einleitung.
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höfischer Grazie oder in jener unbewußten Anmut, welche
bürgerlich-religiöse Innigkeit zunächst den Heiligengestalten,
dann allem Holdmenschlichen zuschrieb. Auch in der Dichtung
hrachen sich neue Ideale Bahn. Die alten knorrigen Helden⸗
gestalten verblassen; der höfische Ritter mit seiner zuht und
fuoge wird das konventionelle Modeschema aller Darstellungen,
und in der Lyrik erwacht die spintisierende Erörterung der ge—
sellschaftlich zugelassenen Liebesempfindung für die Frauen der
ritterlichen Kreise. So entsteht ein Geistesleben höchst eigener
konventioneller Art; es hält die Mitte gleichsam zwischen der
massiven Typik der Vergangenheit und dem ausgeprägteren Indi⸗
»idualismus des 16. Jahrhunderts. Im Grunde aber steht es
doch noch auf mittelalterlichem Boden; es beschließt das Zeit—⸗
alter gebundenen Geisteslebens als dessen höchster noch erreichbarer
Ausdruck.
Doch genug. Eingehend noch wird uns dies geistige Dasein
in der folgenden Erzählung beschäftigen; jetzt mag es gelten,
zunächst seine wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen
im vollen zu überblicken.