Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

310 Zehntes Buch · Erstes Kapitel. 
Kaufleute gegen Gestattung der gleichen Freiheit deutscher Kauf⸗ 
leute in Flandern in einer Reihe von Einzelverhandlungen als 
leitenden Gedanken zu wahren. Seitdem begannen sich neben 
den Kaufleuten vom Rhein und aus Westfalen namentlich auch 
die deutschen Osterlinge massenhaft auf den flandrischen Plätzen 
einzufinden in ungestörtem, durch keinerlei Formen einer Faktorei 
eingeschnürtem Handelsverkehr; Bremen und Hamburg, Stade 
und Lüneburg, Quedlinburg und Goslar, Halberstadt, Hildes— 
heim und Braunschweig traten in unmittelbaren Austausch 
mit Flandern. 
Es war das Ereignis, das für die Größe Flanderns den 
Ausschlag gab. Die Deutschen beherrschten den östlichen Markt; 
jetzt eben drangen sie über Lübeck nach Wisby und Nowgorod 
vor: sie wurden zu Herren der von Westeuropäern noch nicht 
befahrenen Gebiete der Ostsee. Indem sie die Erzeugnisse des 
Ostens nach Flandern, dem Hauptentrepoöt Englands, brachten, 
machten sie das Land zur wesentlichsten Staͤtte westöstlichen 
Austausches in Nordeuropa; indem sie die Produkte Skandina— 
viens und Deutschlands zum Gestade des Ärmelkanals ver— 
mittelten, dahin, bis wohin die letzten Ausläufer des italienis chen 
und iberischen Mittelmeerhandels reichten, schufen sie für Flandern 
die Möglichkeit einer Beherrschung des südnordeuropäischen 
Handels, ja teilweise des Verkehrs überhaupt zwischen Abend⸗ 
und Morgenland. 
In der Kreuzung dieses Austausches ward Flandern zum 
ersten Handelsstaat Westeuropas; die großen Zeiten des 
vlaemischen Bürgertums beginnen. Die älteren Städte blühen 
zu ungeahnter Bedeutung empor; sie alle fast, vornehmlich 
Jeperen und Gent, Brügge und Oudenaarde, haben in den 
Jahren von etwa 1170 -1 190 eine neue, freiere Ordnung ihrer 
Verfassung erreicht. Daneben erheben sich neubegründete 
Städte: Hulst und Damme, Nieupoort und Dünkirchen: bezeich⸗ 
nender Weise alles Seestädte. Denn wenn auch das Land in 
dieser Zeit zum erstenmal von gewaltigen Handelskanälen durch— 
zogen erscheint, deren eigenartige Schleusen Gverdrachten) sich 
immer zahlreicherem Schiffsverkehr öffneten, so ward doch vor
	        
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