Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

334 Hehntes Buch. Zweites Rapitel. 
östlichen und östlichen Teil des so abgegrenzten Gebietes hatten 
die Ljutizen inne, der zäheste und tapferste der baltisch-slawischen 
Stämme. Zu ihnen gehörten vermutlich die Sprewaner mit 
der Burg Köpnick — noch kam Berlin nicht in Frage —, sicher 
die Heveller oder Stodoraner um Brandenburg, vor allem aber 
die Völker an der Peene bis hin zum Strande der Ostsee: die 
Kissiner, Circipaner, Tolensaner, Redarier u. a. In ihrem 
Gebiete lag zu Rethra, im heutigen Mecklenburg⸗Strelitz, das 
Bundesheiligtum des Stammes, der Mittelpunkt unerschrocken 
dauernden Widerstands gegen Deutschtum und Christentum, der 
Sitz der einzigen slawischen Priesterschaft, die mit theokratischer 
Macht immer wieder den Kampf gegen die Deutschen angefacht 
hat bis zu ihrer und ihres Volkes Vernichtung. Moralisch unter⸗ 
stützt ward diese stolze Haltung durch die Nähe Rügens, wo, 
geschützt durch das seeräuberische Volk der Ranen, in Arkona 
der Tempel des vierköpfigen Svantovit auf steiler Felswand vom 
Meere emporragte, bald die letzte Hochburg slawischen Heidentums. 
Im nordwestlichen Winkel des baltisch-slawischen Gebietes da— 
gegen wohnte der Stamm der Abodriten; die Hauptstärke seiner 
Volkerschaften lag in der Gegend der Festen Schwerin und 
Mecklenburg. Mit Karl dem Großen im Einverständnis zur Be⸗ 
kämpfung der Dänen wie der Sachsen hatten sie das Land Wagrien 
im östlichen Holstein zugewiesen erhalten; schon früh hatten sie 
weiterhin Einfluß und Volkskraft auch jenseits der Elbe geltend ge⸗ 
macht, das heutige hannoversche Wendland um Lüchow und Wustrow 
wie große Teile der Altmark waren von ihnen besetzt worden. 
Die Sorben endlich saßen im Süden der baltischen Slawen, 
von der Unstrut und Saale, wenn nicht gar Ilm hin durch 
das heutige Königreich Sachsen und die preußische Lausitz 
bis zum Queiß und Bober in Schlesien. Ihre Reste, die 
Wenden im Spreewald und im Bautzener Lande, nennen sich 
noch heute Sorben. Sie bestanden aus einer Fülle kleiner 
Völker mit je einem größeren befestigten Zufluchtsort und 
einer Fülle geringerer Burgen; genannt seien die Daleminzier! 
mit der Feste Gana bei Meißen, die Milziener (Mil⸗ 
1Slaw. Glomadi, erhalten im heutigen Lommatzsch.
	        
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