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Achtes Buch. Erstes Kapitel.
Normalvertrag war der Kauf oder der Tausch. Vertragsschulden
konnten, wenn auch gerichtlich anerkannt, doch staatlich nicht
beigetrieben werden, denn es gab hierfür noch keine öffentliche
Gewalt gerichtlicher Vollstreckung: vielmehr hatte jeder Gläubiger
den Versuch zu machen, sich selbst zu befriedigen. Vergegen—
wärtigt man sich neben alledem, daß die Bürgschaft für Schuld
bei den Sachsen, dem Hauptstamm des späteren Hansegebietes,
erst durch einen Akt der fränkischen Gesetzgebung vom Jahre 782
eingeführt zu sein scheint!: so begreift man, daß noch bis tief
ins 8. Jahrhundert hinein im eigentlichen Deutschland kein
größerer Eigenhandel der Nation bestanden haben kann: noch
dauerte völlig ungebrochen die Herrschaft ausschließlicher Natural—
wirtschaft.
Erst nach weiteren Jahrhunderten drängte sich dem Gemein—
bewußtsein der Nation die Thatsache auf, daß neben der aus—
schließlichen Wirtschaftsthätigkeit auf agrarischem Gebiete auch
langsam zunächst der Handel, später die Industrie Rechte zu
erwerben begannen: noch bedeutet ahd. choufön vornehmlich
tauschen und erinnert an das ags. ceap, „Vieh, Handelsgeschäft“,
noch versteht der Deutsche des 10. und 11. Jahrhunderts unter
gélt Vergeltung, Ersatz und nur ausnahmsweise Geld?, und als
Ertrag, Besitz überhaupt gilt ihm gitregidi, Getreide.
Gleichwohl entbehrten schon die merowingische wie die Kar—
lingenzeit nicht jedes Handels. Freilich der vorchristliche, vor—⸗
geschichtliche Passihhandel der Germanen mit den Ländern des
Mittelmeeres war ebenso verfallen, wie der spätere kommerzielle
Verkehr mit den Römern vornehmlich an den Grenzen des
Weltreiches. Doch hatten sich daraus und noch mehr aus der
römischen Kultur auf deutschem Boden immerhin Spuren der
Frühzeit durch die Jahrhunderte erhalten. Noch gelangten
manche Waren des Orients auf dem alten Handelswege der
Griechen über Marseille (und nunmehr weiter über die großen
Messen der Champagne) nach Deutschland; noch weniger scheint
Cap. de part. Sax. 8 27.
Im Aungelsächsischen bedeutet es nie Geld; Geld ist englisch be—
kanntlich money (moneéeta).