360 Zehntes Buch. Zweites Kapitel.
eine der Moorarbeit nah verwandte Aufgabe. Und darüber
hinaus hatten die Slawen wenigstens sich auch tiefgründiger
Humusböden nicht angenommen; ihre flache, den Boden nur
ritzende Bestellung überwand die Unbilden solcher Böden mit
nichten. Auch hier setzten die Niederländer ein. Je mehr aber
ihre Kolonisationstechnik sich der einfachen Urbarmachung und
Bestellung schwerer Böden überhaupt näherte, um so mehr
erhielten sie Mitbewerber aus allerlei Volk anderer Stämme.
Der Deutsche jeder Herkunft war mit seinem Streichbrettpflug
der Urbarung und Bearbeitung dieser Böden gewachsen —
neidisch hatten wohl die Sachsen da und dort auf den Moor—
gebieten, aus Sumpf und Rohr, die neue bäuerliche Freiheit
der Holländer erwachsen sehen: nun nahmen sie teil an den
Vorteilen des neuen Rechtes. Swa gebure ein nuewe dort
besezzen von wilder wurzelen, den mac des dorfes herre
wol geben erbezinsesrecht an deme gute sagt der Sachsen⸗
spiegel ganz allgemein!; spätestens um 1230 galt das wesent⸗
lichste privatrechtliche Privilegium der Holländer als gemeines
Recht neuen Anbaus. Und nun nahmen sie alle teil, die Häusler,
die Büdner, die Kossaten des Mutterlandes, wohl nicht selten
als Grundholde dem heimischen Boden entwichen, nun als Freie
auftretend und genießend im neuen Lande; nun flüchtete der
wachsende Überschuß jüngerer Bauernsöhne nach Osten; nun
erhoben sich die Niedersachsen selbst aus grundherrlichen, erst
jetzt hier im Osten veraltenden Verhältnissen zur verjüngten
Kultur ihres Landes. Diesem Ansturm ist die Unkultur der
linkselbischen Gegenden, sind Heide und Waldwüste der Slawen—
gegenden, sind die Slawen selbst endlich wenigstens in den
centralen Gebieten ihrer Ansiedlungen jenseits der Elbe ge—
wichen.
Am wenigsten erfolgreich war die neue Kolonisation auf dem
Boden der ältesten deutschen Eroberungen, in den alten Thüringer
Marken, im Meißnischen, im Sorbenlande. Sehr natürlich: hier
hatten sich seit der Mitte etwa des 10. Jahrhunderts schon feste,
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