Städte und Bürgertum zur Stauferzeit.
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die uralte, schon von Strabon und Plinius erwähnte Handels⸗
straße verschüttet gewesen zu sein, die von den Ufern des Ganges
zu den Gestaden des Kaspischen Meeres, und von da durch das
russische Tiefland bis zum Becken der Ostsee führte. An Rhein
ind Tonau aber blieb von Römerzeiten her immer ein gewisser
Verkehr. An der Donau hatte ihn Karl der Große durch
seinen Bau eines Main ⸗Donau-Kanals, wie durch seine
Kriege gegen die Awaren zu fördern gesucht. Am Rhein ver—
steht er sich von selbst, solange am oberen Laufe des Stromes
Weingärten bestellt und vor seinem Mündungsland Heringe
gefangen werden. Aber über diese natürliche Bedeutung hinaus
erfreute sich der Rheinverkehr doch auch noch in karlingischer
und sächsischer Zeit der Nachwirkung römischer Einflüsse. Alle
großen Städte des Mittelalters am Rhein, mit Ausnahme von
Frankfurt und teilweise Basel, stehen auf römisch⸗geschichtlichem
Boden; Frankfurt und Basel aber haben sich erst seit dem 18.
und 14. Jahrhundert bedeutender entwickelt. So schützten hier
fast überall die Trümmer römischer Befestigungen, notdürftig
geflickt; so erhielt sich eine gewisse technische Überlieferung in
Kunst und Handwerk. Aber freilich waren diese Reste römischer
Zeiten noch keineswegs der nationalen Kultur völlig eingeordnet.
Das gilt auch für den Handel, soweit ein solcher bestand. Er
war kein Eigenhandel der Nation, Fremde betrieben ihn. Im
Süuden waren es teilweise Lombarden; auf sie weisen noch heute
die Regensburger Straßennamen Unterwalchen und Römling.
In Mitteldeutschland und im Norden traten vor allem die Juden
hervor; für Köln ist es sicher, daß ihre Gemeinde, die Zeiten
römischen Verfalles zäh überdauernd, sich ins Mittelalter rettete;
für Magdeburg werden noch im 10. Jahrhundert Jude und
Kaufmann als gleichwertige Begriffe gebraucht.
Im äußersten Norden, an den Gestaden der Nordsee, haben
dagegen schon zu karlingischer, ja schon früherer Zeit die Deut⸗
schen selbst Handel getrieben. Aber nicht wirtschaftliche Er⸗
waãgung in erster Linie trieb die Sachsen und vor allem die
Friesen in die Ferne. Es waren andere, altgermanische Empfin⸗
dungen. „Kein Mann auf Erden ist so Übermutes voll,“ sagt
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