Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 371 
nung erreichten indes die Prämonstratenser nicht, und ganz 
allgemein wurden sie seit etwa 1170 durch die Cisterzienser 
überflügelt. 
Ganz dem Ackerbau zugewendet, das Ora et labora des 
heiligen Benedikt im ursprünglichsten Sinne erneuend, war der 
Orden des heiligen Bernard von Clairvaux, wohin er sich auch 
wandte, ein Orden der Kultivation und Besiedlung. So führte 
er sich auch im westlichen Deutschland ein; das deutsche Mutter— 
kloster Altenkamp (gegründet 1122) hat die Gegend von Geldern 
zu blühendem Gefilde umgeschaffen. In den deutschen Nieder— 
landen zuerst ansässig, mußte der Orden bei seiner wirtschaft— 
lichen Richtung sehr bald auf die Scharen von Kolonisten auf— 
merksam werden, die eben aus diesen Gegenden dem fernen Osten 
sich zuwandten: und alsbald bediente er fich ihrer bei seinen 
weiteren Pflanzungen; alsbald setzte er auch, wie sie, seinen Fuß 
selbst in das goldene Land des Ostens. Von Altenkamp aus 
ward Walkenried an den Hängen des Südharzes im Jahre 1127 
gegründet; neben der herrlichen Klosterruine bewahrt noch jetzt 
die goldene Aue das Andenken der Mönche: sie ist unter ihrer 
Leitung von Holländern wenigstens teilweis erst urbar gemacht 
worden. Von Walkenried ging Pforte bei Kösen aus, im thü— 
ringischen Vorgebirge, jetzt die bekannte preußische Landesschule; 
der benachbarte Ort Flemmingen zeugt noch heute mit seinem 
Namen für die Verbindung der Thätigkeit des Ordens mit der⸗ 
jenigen siedlungsbedürftiger Vlamen. Von Pforte aus aber 
ward Leubus um 1170 begründet: das erste schlesische Cister⸗ 
zienserkloster, zugleich auch der erste Hort deutscher Kolonisation 
im Oderland: schon bis zur Wende des 12. und 13. Jahr— 
hunderts hat es in der Gegend zwischen oberer Katzbach und 
wütender Neiße ein erstes volldeutsches Siedlungs⸗ und Sprach- 
gebiet in Schlesien geschaffen. 
Inzwischen waren aber die Ordensbrüder auch in die 
chüringisch⸗ meißnischen Marken, ins Brandenburgische gewallt. 
Am Erzgebirge gewannen sie Klöster und feste deutsche Sied— 
lungen, in der Lausitz legten sie Dobrilugk an. In Branden— 
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