382 Zehntes Buch. Drittes Kapitel.
Suffragane des Erzbistums Mainz waren, so saßen seit spätestens
Herzog Wratislaw (1061 -1092) deutsche Kaufleute bairischer
Abkunft zahlreich in Prag und bildeten in der Vorstadt
am Poriẽ eine eigene Bürgerschaft mit deutschem Recht und
besonderem Kirchspiel: den Kern der späteren Stadtbürger—
gemeinde.
Und vor allem die Fürsten und die herrschenden Schichten der
Cechen erschlossen sich wehrlos dem deutschen Einfluß; sie
heirateten deutsche Frauen, sie nahmen deutsche Kriegszucht an,
sie ordneten Staat und Gesellschaft nach deutschem Vorbild.
Im 18. Jahrhundert hatten die premyslidischen Könige fast
ohne Ausnahme deutsche Fürstentöchter zu Müttern, sprachen
deutsch und pflegten deutsch-nationale Bildung. Am Hofe
Wenzels J. lebte in den letzten dreißiger Jahren des 18. Jahr⸗
hunderts der Dichter Reimar der Zweter; der Tanhuser wie
Ulrich von Türlin verkehrten am Hofe Otokars II., und dessen
Sohn Wenzel II. huldigte in eigenen Schöpfungen dem deutschen
Minnesang.
So versteht es sich, wenn die Könige Böhmens in der
ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, im Zeitalter bürgerlichen
Aufschwungs und zahlreicher Städtegründungen in Deutschland,
auch in ihren Landen dem deutschen Bürgertum zur Hebung
der eigenen Einnahmen Eingang verschafften. Mit Wenzel J.
beginnt die Periode deutscher Städtegründungen, unter Otokar ILI.
erreicht sie den Höhepunkt. Von dem kleinen Städtchen Freudenthal
in Mähren, dessen Privileg vom Jahre 1213 als die älteste aller
Städteurkunden noch das ungewohnte des Gründungsvorganges er⸗
kennen läßt, reicht eine fast ununterbrochene Kette von Freiheits—
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Olmütz und Brünn, für Kladrau und Königgrätz, für Komotau und
Leitmeritz: und schon unter Otokar II. steigt die Zahl der
königlichen Städte auf über zwanzig. Zur königlichen Huld
aber gesellte sich im Laufe des 13. Jahrhunderts immer mehr
das bergbauliche Interesse, um dem deutschen Städtewesen in
Böhmen einen außerordentlichen Aufschwung zu geben; von
Iglau ausgehend ist diese Bewegung namentlich in dem erz⸗