Deutsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1300. 391
glänzende Zeiten einer Germanisierung im Norden der Karpathen
schienen herbeigekommen.
Da starb der Herzog Heinrich in der Johannisnacht des
Jahres 1290, und mit seinem Tode starben auch all die schönen
Hoffnungen. Im letzten Augenblick hat Heinrich noch durch
merkwürdige, vom Klerus erzwungene Bestimmungen seines
Testaments einen großen Teil seines Lebenswerkes zerstört; das
Aufgegebene aber wieder zu erbauen, ja auch nur das noch Be—
stehende zu erhalten, lag nicht im Vermögen seiner Nachfolger.
Das Herzogtum Krakau ging verloren; die Herrschaften in
Schlesien zersplitterten fich mehr wie je; und die zahlreichen
Deutschen, namentlich in Breslau, lehnten sich an Böhmen als
Schutzmacht an zur Sicherung ihrer Nationalität wie ihrer
Handelsverbindungen nach West und Osten. So gelang es
König Wenzel von Böhmen, im Jahre 1290 von Rudolf von
Habsburg die Erneuerung alter Erbrechte auf Schlesien und
Breslau als Lehen des Reiches zu erwerben; darauf machte er
sich im Jahre 1292 zum Herrn von Krakau und belehnte die
oberschlesischen Herzöge mit ihren Ländern als Teilgebieten der
böhmischen Krone; im Jahre 1300 endlich ward er zu Gnesen
feierlich als König von Polen gekrönt.
Schlesien begann damit einzutreten in den großen halb
deutschen, halb slawischen Staatenbau des Ostens, den Otokar II.
zu errichten begonnen hatte und den die Luxemburger im
14. Jahrhundert vollendet haben; seit 1837 waren alle seine
Lande lehnsrührig von der Krone des h. Wenzel. Es war das
Schicksal eines Deutschtums, das, großgezogen von den einst
slawischen Herren des Landes, ungestützt durch die kaiserliche
Macht der Heimat, in sich nicht genügenden Halt zu politischer
Selbständigkeit zu finden vermochte. So gelang es ihm wohl,
sich als nationale Kulturmacht in Schlesien auch unter rechisch⸗
böhmischem, bald in deutsche Hände übergehendem Scepter fort⸗
zupflanzen; doch die deutsche Propaganda im polnischen Osten
aufrecht zu erhalten und weiter zu führen war ihm versagt . Zwar
ist von Schlesien aus vereinzelt auch noch weiter im Posenschen
die an den Nordabhängen der Karpathen, ja auch in Ober—