Dentsche Erfolge i. üußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1300. 398
Stämme gleich vollen Anteil genommen: die Hauptländer der
Ostsee, und vor allem Preußen, werden recht eigentlich zu reg⸗
samen Mikrokosmen der bisher in den verschiedensten Teilen des
Mutterlandes durchlebten Entwickelung.
Noch bis in die Anfänge des 12. Jahrhunderts hinein be⸗
herrschten vornehmlich Dänen und Slawen die Ostsee; den
großen Seeweg, der unter Vermeidung der heute deutschen
Küsten von Schleswig an den Gestaden Daͤnemarks und Schonens
borbei nach Gotland führte, um von da an den Küsten des
finnischen Meerbusens hin nach Nowgorod zu verlaufen, sind da⸗
mals deutsche Kaufleute wohl noch nicht zu häufig gesegelt!;
sogar in Bardowik, auf dem linken Elbufer, vermitteln gelegentlich
noch Slawen den Umsatz deutscher und nordischer Waren.
Die ersten geschichtlich vollkommen deutlichen Spuren regel
mäßigen deutschen Verkehrs auf der Ostsee tauchen auf, sobald
der deutsche Einfluß Albrechts des Bären, der Grafen von Hol⸗
stein, später Heinrichs des Löwen, sich der Nordwestecke des See⸗
heckens dauernd nähert, und sofort führen sie zur Begründung
Lübecks. Als Lübeck dann seit dem Jahre 1158 unmittelbare
Stadt Heinrichs des Löwen geworden ist, mehren sich die Be⸗
weise deutscher Thätigkeit. Im Oktober 11683 stellt Heinrich den
gestörten Frieden zwischen den Deutschen und den Gotländern in
Wisby wieder her und setzt die Bildung einer selbständigen
deutschen Gemeinde in Wisby durch; wenige Wochen später
ladet er Russen, Goten, Normannen und andere Völker
des Ostens zur Einkehr in Lübeck und befreit sie vom Zoll
und von der Abgabe für die Hanse, die Berechtigung zum
Handel. Gegen Schluß der achtziger Jahre des 12. Jahrhunderts
2 Den einzigen urkundlich frühen Beweis für den Verkehr der Deutschen
und Goten geben vielleicht die Juüris et pacis decreta König Lothars
oom Jahre c. 11380. Die zahlreichen Funde deutscher Münzen des 10. und
11. Jahrhunderts in Schweden (s. z. B. Schäfer, Die Hansestädte und König
Waldemar S. 89-40) beweisen noch nicht unmittelbar für einen Verkehr
des deutschen Kaufmanns selbst. Dagegen beweist der unverkennbare Zu⸗
sammenhang zwischen der gotländischen Architektur des ausgehenden 12. Jahr⸗
hunderts und den gleichzeitigen westfaͤlischen und niederrheinischen Bauten, daß
wenigstens seit Mitte des 12. Jahrhunderts ein durchaus reger unmittel—
shene Verkehr bestanden haben muß. Vgl. Band IV SG. 14 f.