Deutsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1800. 395
Pflanzung dann unter dem bremer Domherrn Albert, der
im Jahre 1198 zum dritten Bischof Livlands geweiht ward.
Eine energische Natur, ganz in den Idealen seines großen Papstes
Innocenz III. lebend, erwirkte er römische Privilegien, welche
die Sachsen und Westfalen zur Kreuzfahrt nach Livland
mifriefen, erbaute mit Hilfe der nun zahlreich zuströmenden
Landsleute die Stadt Riga (1201) und gründete aus ihren
hesten Männern den geistlichen Orden der Schwertritter, der
hon nun ab unter seinem Befehl die Grenzen deutschen und
hristlichen Einflusses namhaft erweiterte. Nur wenige Jahre,
und es war hier, fern von den deutschen Gestaden der Ostsee, ein
neuer germanischer Staat entstanden; im Jahre 1206 übertrug
der Staufer Philipp dem livischen Bischof auf seine Bitte das
Land als fürstliches Lehen des Reiches. Und schon hatte in⸗
zwischen die Eroberung über die nördlichen Grenzen Livlands
hinausgegriffen und durch Estland hin beinahe die Südküste
des finnischen Meerbusens erreicht; im Jahre 1211 konnte
Albert einen Bischof von Estland weihen, im Jahre 1218 trat
ein Bischof für Semgallen hinzu; bereits fünf Jahre vorher
war das Rigische Bistum frei von der Obergewalt Bremens
dem Papft unmittelbar unterstellt worden.
Diese außerordentlich raschen Fortschritte in einem Lande,
worauf bisher die russischen Fürsten Ansprüche gemacht hatten,
erklären sich vor allem aus der Überlegenheit und aus der be—
sonders energischen Einführung der deutschen Kultur. Die
russische Kultur hatte nach der Ostsee zu nicht fördernd gewirkt;
es ist die Gewohnheit der Könige der Russen, bezwungene Völker
nicht dem Christenglauben zu unterwerfen, sondern nur zur Zahlung
hon Tributen und Geld zu knechten“, sagt Heinrich der Lette!.
Wie anders waren die Deutschen vorgegangen. Überall
wirkte neben dem scharfen Schwert des Eroberers und den ver⸗
sockenden Anerbietungen des Kaufmanns der Priester, der zu—
gleich Träger war jeder Kunst und höheren Gesittung. Aber
ben mit dieser Anwendung geistiger Waffen hing es zusammen,
daß die deutsche Herrschaft sich zwar rasch ausbreitete unter
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