Städte und Bürgertum zur Stauferzeit. 23
den Kreuzzügen, mit der Begründung von Christenstaaten an
den Ostgestaden des Mittelmeers! Immer zahlreicher erschienen
drientalische Waren in den Häfen Flanderns und Englands:
und dem deutschen Kaufmann fiel ihr weiterer Vertrieb von dort
nach Deutschland und vor allem auch nach jenen Ländern der
Nord- und Ostsee zu, die jetzt mit Deutschland durch einen
regen Handel verbunden wurden, von einem Bezug orientalischer
Produkte über Land aber fast völlig abgeschlossen waren. So
ward die Grundlage großer west-östlicher Handelsbeziehungen
gewonnen; und alsbald knüpfte sich an sie ein lebhafter Aus—
lausch englischer, deutscher und nordöstlicher Erzeugnisse. Die
kommerziellen Voraussetzungen der Deutschen Hanse treten lang⸗
sam' ins Leben; schon das Anno-Lied spricht von Ortechin unt'
Engelantin, von Denemarkin, von Vlantérin unti Riuzilanti;
der kleine westfälische Ort Medebach nimmt in einer Aufzeichnung
des Jahres 1168 Bedacht auf Handelsgeschäfte seiner Bürger
unter Dänen und Russen; bald sehen wir neben Tiel und Ut⸗
recht, Bremen und Lübeck auch Köln und Groningen, Münster
und Soest am Seeverkehr nach Osten beteiligt, und stolz spricht
eine Dortmunder Urkunde des 13. Jahrhunderts von den cives
maricolae Tremonienses.
So waren in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts
etwa die engen Möglichkeiten des deutschen Binnenhandels ab⸗
gestreift; weit über sie hinaus stand im Norden des Reiches
ein internationaler Handel mit dem gesamten Westen und Osten
wie den nordgermanischen Völkern in Aussicht. Wie konnte er
aber betrieben werden ohne besondere Organisation der Kauf⸗
mannschaft und der Gewerbe überhaupt, ohne eine verfassungs—
mäßige Ausgestaltung der Standorte der neuen Betriebe, der
Städte?
II.
Man kann von einer bald indwidualistischen, bald sozialisti⸗
schen Färbung des wirtschaftsgeschichtlichen Verlaufes reden, je
nachdem es sich in den einzelnen Zeiten wirtschaftlicher Ent—⸗
wickelung um die volkswirtschaftliche Organisation schon stark