Deutsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis isoo. 401
Schon früh waren die preußischen Küsten von Normannen
heimgesucht worden; bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts
erstreckten sich dänische Raubzüge. Daneben wurden vor allem
die Polen den Preußen furchtbar; schon Boleslaw der Kühne,
der Zeitgenosse der Kaiser Otto III. und Heinrich II., der
Ostpommern unterwarf, hat auch gegen sie sich gewendet; viel—
leicht verdankt das Kulmerland, zwischen Thorn und Kulm
östlich der Weichsel, seinem Eingriff die später zweifellos polnische
Bevölkerung. Ungefähr gleichzeitig aber unterstützten die Polen
auch die ersten Versuche zur Ausbreitung des Christentums;
der heilige Adalbert, der Freund Ottos III., und nicht minder
der heilige Brun von Querfurt, ein Verwandter des ottonischen
Hauses, sind unter polnischem Schutze nach Preußen gezogen,
um in nutzlosem Martyrium zu enden. Es waren verfrühte
Anfänge; auf zwei Jahrhunderte hin haben sie weitere An—
fnüpfungen nicht zur Folge gehabt. Und als dann mit dem
Tode König Kasimirs (1194) jene furchtbare Selbstzerfleischung
der polnischen Herrscherfamilie wie des polnischen Volkes im
Kampfe um Seniorat und Teilfürstentümer begann, die länger
als ein Jahrhundert währen sollte, da waren nicht mehr die
Polen die Angreifenden. Gleich den Litauern fielen jetzt Preußen
und Russen in das verwaiste Polen ein — in alle Lande des
vestlichen Europas erscholl von hier der Hilferuf gegen die
Heiden und Ketzer.
Und von neuem begann die Mission unter den Preußen.
Ermutigt durch die Erfolge der Deutschen unter den Liven und
Letten zog der Cisterzienserabt Gottfried aus dem großpolnischen
Kloster Lekno im zweiten Lustrum des 13. Jahrhunderts als
Glaubensbote in das wilde Land; ihm folgte Christian, der im
Jahre 1215 zum Bischof unter den Preußen geweiht ward:
schon waren anscheinend gute Erfolge erreicht. Da brachen die
unbekehrten Stämme, über das neue Wesen erbittert, hervor,
—
schaften Cujaviens und Masowiens: es waren Ereignisse ähnlich
denen der ersten Bekehrungsjahre in Livland. Wie Bischof
Albert dort, so griff Bischof Christian hier zu dem Mittel des
gamprecht. Deutsche Geschichte III. 26