Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Städte und Bürgertum zur Stauferzeit. 29 
Festbeträge ein. Noch lange ist gerade diese gesellige Seite der 
Gilde erhalten geblieben, bis in Zeiten, da deren wirtschaft⸗ 
liche Bedeutung längst zu Grunde gegangen war; nicht wenige 
Gilden endeten als vornehme Kasinos. In die Frühzeit der Ent— 
wickelung aber führen anscheinend noch die altertümlichen Bräuche, 
womit in Salzwedel die periodische Erneuerung der Gilde gefeiert 
ward. Die Festlichkeiten zogen sich durch vier Tage hin. Am 
ersten Tage fand nach der Neuwahl der Gildebeamten ein gemein— 
sames Mahl statt; beim Hauptgang begab sich der abgetretene 
Aldermann zum neugewählten, einen Kranz in der einen Hand, 
in der andern den gefüllten Becher der Gilde: mit beiden huldigte 
er seinem Nachfolger. Den Höhepunkt erreichte die Feier am 
dritten Tage. Festlich geschmückt traf man sich bald nach 
Mittag auf dem Tanzhause. Von hier aus bewegte sich ein 
glänzender Zug durch die Straßen der Stadt; vorweg der 
Klerus, dann der neue Aldermann mit seiner Gattin, Kränze 
aus roten Rosen auf dem Haupte, darnach die unvermählten 
Söhne und Töchter der Gildebrüder, auch sie heitere Kränze 
im Haar, nunmehr die Gildebrüder selbst mit ihren Frauen 
und ein ehrsamer Rat, am Schluß der gewesene Aldermann 
mit seiner Ehefrau, rosengeschmückt gleich dem voraufziehenden 
Nachfolger. Nach dem Umzuge hielt man auf dem Markte der 
Altstadt; jedem Teilnehmer wurden zwei oder drei Trunk Weines 
gereicht, darauf einmal auf dem Markte herumgetanzt. Der Tag 
ward beschlossen durch frohes Mahl und abendlichen Festtanz. 
Läßt sich dieses Bild viel späterer Zeit nur mit dem Rechte 
der Wahrscheinlichkeit in die alten Tage der deutschen Kauf⸗ 
mannsgilde zurückverlegen, so lauten die Nachrichten über die 
ernste Thätigkeit jener Frühzeit bestimmter. Indem die Gilde 
zu einer ständigen Einrichtung kaufmännischer Plätze geworden 
war, mußte sie vor allem für eine örtliche Regelung des Handels 
eintreten. Sie suchte Verkehrserleichterungen und Verkehrs— 
garantieen zu erreichen; sie schuf Verkehrswage und Verkehrs— 
gewicht, sie baute Stapel und besserte Wege. Sie wußte ferner 
eine gewisse polizeiliche Gewalt in Sachen des kaufmännischen 
Verkehrs zu entwickeln: sie urteilte sogar günstigenfalls über 
alles Wahnmaß, über unrechte Wage, unrechte Scheffel, un—
	        
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