Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Achtes Buch. Erstes Kapitel. 
werther Entführung erhoben, 1077 steht Mainz gegen Rudolf 
auf, den soeben gekrönten Gegenkönig. Es waren nicht langer 
Hand geplante Verschwörungen; in beiden Fällen entfesselte ein 
Zufall den Aufruhr; nur geringfügiger Anlässe bedurfte es, um 
der Erbitterung des Kaufmanns über die ruhelosen Zeiten, dem 
Machtgefühl des Bürgers Bahn zu brechen. 
Als Kaiser Heinrich im Jahre 1077 von Italien heimkehrte, 
da wurde Worms der Stützpunkt seiner Thätigkeit; von hier 
aus verhandelte er, hier sammelte er ein vorzugsweise städtisches 
Heer; das Bürgertum trat nicht nebenher, wie bisher, sondern 
entscheidend mit in den Dienst des rechtmäßigen Herrschers. 
Neben den Städten des Mittelrheins, wo es Heinrich durchweg 
gelang, ihm ergebene Männer auf die Bischofsstühle zu setzen, 
zeichneten sich Regensburg, Augsburg, Würzburg, Goslar im 
königlichen Dienste aus; Köln blieb dem gramgebeugten Kaiser 
treu bis über den Tod. Heinrich aber lohnte den Städten 
durch die Gottesfriedenspolitik der letzten Jahrzehnte seiner 
Regierung. 
Das 12. Jahrhundert eröffnet mit der von niemand mehr 
geleugneten Thatsache, daß das Bürgertum ein wesentliches 
sfoziales und politisches Element der Nation geworden; ab und 
zu scheinen die Städte schon in dunkel geahntem Gegensatz 
— — 
deutlich sichern sie ihren spezifischen Handelsinteressen Berück— 
sichtigung in der Reichspolitik. Dabei ist ihre Haltung in 
hohem Grade selbstbewußt; eine städtische Urkunde des Jahres 
1178 redet von den ausgezeichneten (egregii) Bürgern von Köln 
und Verdun!. 
Im einzelnen war ihre politische Haltung zumeist vom 
Glück begünstigt. Heinrich V. hat in wesentlichen Wendungen 
seine Staatskunst dem bürgerlichen Einflusse nicht entziehen 
können; die im ganzen feindliche Haltung gegen Lothar kam den 
Städten unter dem staufischen Herrschergeschlecht zu gute. Nun 
galten sie als altstaufisch gesinnt; mit vollem Rechte: wird doch 
Ennen, Quellen Bd. J Nr. 90.
	        
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