Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Städte und Bürgertum zur Stauferzeit. 
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Speier unter König Lothar einmal geradezu als Hauptstadt 
der geächteten Staufer bezeichnet. 
Eine noch höhere Stufe politischer Selbständigkeit erreichte 
das Bürgertum gegen Schluß des 12. Jahrhunderts. Es war 
eine Entwickelung, die sich schon nicht mehr völlig in den 
Bahnen unerläßlicher politischer Unterordnung unter den Reichs⸗ 
gedanken bewegte. Führerin auf diesem Wege war Köln. Der 
britisch-flandrische Handel gab der Stadt enge Beziehungen zum 
königlichen Hofe Englands; sie ward zur Vertreterin einer 
spezifisch englisch-deutschen Politik, deren Forderungen wieder⸗ 
holt, schon gegen Ende der Regierung Friedrichs I., dann während 
des unglücklichen Streites zwischen den Königen Philipp und 
Otto, endlich in den zwanziger Jahren des 183. Jahrhunderts 
unter Friedrich II. störend in die Zirkel der äußeren Politik 
des Reiches eingriffen!. 
Inzwischen aber war auch im Innern die Macht des Bürger⸗ 
tums den Fürsten schier unerträglich gestiegen. Schon trachteten 
die Städte darnach, das platte Land ihrem Einfluß zu unter⸗ 
werfen; es war hohe Zeit, daß die Fürsten von ihrem Stand—⸗ 
punkte aus dem entgegentraten. Dazu gewannen sie die Hilfe 
Kaiser Friedrichs II. und seines königlichen Sohnes. Die 
Reichsgesetzgebung der zwanziger und dreißiger Jahre des 
13. Jahrhunderts verbot Bünde der Städte untereinander, 
untersagte die Entwickelung der Ratsverfassung wie überhaupt 
der städtischen Autonomie, versuchte, die finanzielle Ausnutzung 
des platten Landes seitens der Städte durch gesetzliche Auf⸗ 
hebung aller bäuerlichen Renten im Besitze der Bürger zu ver⸗ 
hindern, wehrte der Einbeziehung der ländlichen Bevölkerung 
im Umkreis der Stadt in die städtischen Interessen und suchte 
jeden Zuzug der ländlichen Bevölkerung in die Städte thun⸗ 
lichst, sogar durch stärkste Beschränkung der Freizügigkeit auf 
dein platten Lande selbst, zu vereiteln. 
Die Folge war ein überall erneuter Kampf zwischen Städten 
und Stadtherren; dazu der Versuch städtischer Bündnisse trotz 
1 S. Genaueres unten S. 154, 255 f., 272 ff. 
Ldamprecht, Deutsche Geschichte III
	        
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